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Eröffnung: 15. Januar 2010, 17 - 21 Uhr Die Nelson-Freeman Galerie freut sich die erste Einzelausstellung der französischen Künstlerin Anne-Marie Schneider in Deutschland ankündigen zu dürfen. Schneiders unermüdliche künstlerische Produktion war bislang vornehmlich um das Medium der Zeichnung zentriert, wobei sie sowohl mit Bleistift, Tusche und Kohle als auch mit Wasserfarben und Gouachetechnik arbeitet. Film und Skulptur konstituieren gleichsam eine Fortführung und Erweiterung dieser Arbeit. Anne-Marie Schneider benützt die Zeichnung auf ähnliche Weise wie andere ihr persönliches Tagebuch. Ihre Zeichnungen entstehen als Antwort auf ein tief liegendes Bedürfnis, die Realität zu sublimieren und das tägliche Leben - wie von der Künstlerin wahrgenommen - abzubilden. Sie übersetzen Emotionen, die andernfalls keinen Ausdruck finden würden. „Mein Zeichnen funktioniert ähnlich wie tägliches Schreiben. Es bewahrt mich davor, nur mit Worten zu schreiben. Es handelt sich um buchstäblich alltägliche Bilder. Die Charaktere sind grotesk und oftmals in einem häuslichen Umfeld angesiedelt - Ich liebe es, zu lachen, während ich mir angesichts des Elends der Welt auf die Zähne beiße.“ A-M.S. Die in der Ausstellung versammelten Zeichnungen stammen aus den Jahren 2000 bis 2009. Sie beziehen sich auf ein umfangreiches Motivspektrum: Objekte, Tiere, Menschen finden sich - allesamt in hierarchiefreien Beziehungen vereint - neben gelegentlichen Hybridformen zwischen Lebewesen und Objekten. Sie sind entweder unmittelbar vom alltäglichen Leben inspiriert oder auf literarischen Vorlagen basierend und nehmen gelegentlich auch Bezug auf tagesaktuelle Meldungen oder bestimmte soziale Kontexte. Einzelne Motive wie der ‚Kopf-Baum' oder der ‚Kopf mit Augenbinde' werden von der Künstlerin in Serien gezeichnet, als ob es darum ginge, ein bestimmtes Ereignis oder Erlebnis auszutreiben. Es finden sich zahlreiche Motive, die immer wiederkehren, wie zum Beispiel der Kreis oder das Ei, die einerseits auf das beschützende Bild eines Kokons verweisen, gleichzeitig aber auch Hemmnisse andeuten sowie als Symbole für Kreativität und Produktivität stehen können. Das Ei findet sich explizit in der in Berlin ausgestellten Skulptur Ohne Titel, 2002. Sie besteht aus einer mit weißen Gipseiern gefüllten Hängematte. Die Zerbrechlichkeit des Aufbewahrungsortes spiegelt die Zerbrechlichkeit des Aufbewahrten, wobei die Schwere der Eier mit der zarten Fragilität der Hängematte kontrastiert. Die früheren Zeichnungen wurden durch den Gebrauch präziser, nervöser Linien geprägt, die sich über die Blätter ausdehnten und sich zu offenen, in Entwicklung befindlichen Formen fügten. Demgegenüber bezeugen die neueren Zeichnungen eine Entwicklung in Schneiders Werk, die zu einem verstärkten Einsatz von Farbe und der Arbeit in größeren Formaten tendiert und eine veränderte Raumauffassung offenbart. Die Objekte sind nun nicht mehr zentriert angeordnet. Stattdessen besetzen unterschiedliche Motive und Bilderzählungen die gesamte Oberfläche der Blätter. Auffällig ist zudem eine eher malerische Haltung, welche die neueren Arbeiten kennzeichnet. Die Zeichnungen werden in der Ausstellung entweder individuell präsentiert oder in Gruppen angeordnet. Neben ihnen zeigen wir die Skulptur Ohne Titel (Hängematte und Gipseier), 2002 und den bislang vierten Film Comme un Chien, 2007, der von einer Passage aus Kafkas ‚Der Prozess' inspiriert ist. Ähnlich wie ihre früheren Filme ist auch dieser ein Super 8-Film, in dem sich dokumentarische Szenen mit animierten Sequenzen abwechseln. Der Übergang zwischen Dokumentation und Zeichnung folgt poetischen Assoziationen, wobei sich die animierten Sequenzen oft als Metaphern oder Kommentare zum dokumentarischen Material erweisen. Anne-Marie Schneider changiert beständig zwischen einer genauen Beobachtung der alltäglichen Wirklichkeit und der Beschreibung einer poetischen Traumwelt. Der Übergang zwischen beidem ist grundlegend für ihre Arbeit. Aus einer persönlichen Welt voller Zerbrechlichkeit entspringt eine fantastische Poesie, die weit davon entfernt ist, naiv zu erscheinen. Anne-Marie Schneider wurde 1962 geboren. Sie lebt und arbeitet in Paris. 1993 nahm sie an der Documenta X teil. 2003 und 2008 fand eine große Einzelausstellung im ARC-Musée d'Art Moderne in Paris statt. Ihre Arbeit war mehrfach im Centre Pompidou zu sehen, wo sie 2007 an der Ausstellung Airs de Paris und 2009 an der Ausstellung Elles teilnahm. Das Het Domein Museum (Sittard, Niederlande) zeigt noch bis Januar 2010 eine Retrospektive unter dem Titel Jambes Longues.
Opening: January 15, 2010, 5 - 9 pm The Galerie Nelson-Freeman is proud to present the first solo exhibition in Germany of the French artist Anne-Marie Schneider. Over the years, her relentless artistic output has been predominantly centred on her drawing using pencil, ink charcoal, gouache and watercolour. Film and sculpture constitute both a continuation and extension of her work. Anne-Marie Schneider approaches drawing in the same way as one might keep a personal diary. Her drawings are in answer to a profound desire to sublimate reality and depict daily life, as it is perceived by the artist. They translate emotions or feelings that otherwise would be impossible to express. “My drawing is a daily form of writing. It allows me to avoid writing with words alone. There are quotidian images. The figures are grotesque, often in a domestic setting. I like to smile while gritting my teeth from a sickness life.” A.-M. S. The drawings featured in this exhibition were created between 2000 and 2009. They concern a wide variety of subjects: objects, animals, human beings - unified in relationships without hierarchy - as well as occasional hybrids of beings and objects. They are directly inspired by everyday life, or prompted by literary writing, or perhaps executed in answer to events in the news or a particular social context. Certain motifs are drawn in series: “Head-tree“ or “Blindfolded Head”. There are also a number of recurrent motifs such as the circle or egg, which whilst evoking the protective image of a cocoon, also depict constraint as well as representing creation and productivity. The egg can be found in the sculpture Untitled, 2003, exhibited in Berlin. It consists of a hammock filled with immaculate, white plaster eggs. The fragility of the container echoes that of the contents whilst the weight of the eggs contrasts with the delicacy and flimsiness of the hammock. The earlier drawings are dominated by the use of precise, nervous lines, which form tangles spreading across the page creating shapes that are open and in development. The more recent pieces bear witness to the evolution in Anne-Marie Schneider's work towards colour and her current use of larger formats. The space is treated in a different manner: the objects are no longer centred and different subjects and activities occupy the whole of the surface of the page. The style is also more pictorial. Along side the drawings and the sculpture Untitled, 2003, the artist is showing her fourth film Comme un Chien (As a Dog), 2007, which was inspired by a passage from Kafka's “The Trial”. Following the example of her previous films, this one is also shot in Super 8 and mixes documentary images with animated scenes. The transition between the two forms, documentary and drawing, follows an association of ideas or a poetic association; the animated images often appear to commentate or act as metaphors for the filmed sections. Anne-Marie Schneider alternates between caustic observation of everyday reality and a dream world. The transition between the two is continual in her work. From a personal world filled with fragility springs fantastical poetry that is far from naïve. Anne-Marie Schneider was born in 1962. She lives and works in Paris. In 1997, she participated in Documenta X (Kassel). In 2003 and 2008 solo exhibitions of her work were held at the ARC-Musée d'Art Moderne in Paris. Her work has also been shown at the Centre Pompidou in Paris, where she participated in the exhibitions Airs de Paris (2007) and Elles (2009 - 2010). The Het Domein Museum (Sittard, Netherlands) is currently exhibiting a retrospective of her work: Jambes Longues (September 2009 - January 2010). |
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