Marcel Broodthaers Belgien, 1924-1976

Ich bezweifle tatsächlich, dass es möglich ist, eine ernsthafte Definition von Kunst zu geben

— Marcel Broodthaers

Über einen Zeitraum von zwölf bemerkenswerten Jahren entwickelte der belgische Künstler Marcel Broodthaers (1924–1976) ein unverwechselbares Œuvre, geprägt von Unangepasstheit, Witz, Selbstreflexion und Skepsis. Seine Arbeiten bewahrten dabei eine poetische Qualität und einen feinen Sinn für Humor, der sein konzeptuelles Denken ergänzte.

 

1964 markierte Broodthaers seinen Eintritt in die bildende Kunst, indem er die unverkauften Exemplare seines letzten Gedichtbandes Pense-Bête (Gedächtnisstütze) in eine Skulptur für seine erste Einzelausstellung verwandelte. Aufbauend auf Motiven, die er zuvor in der Dichtung verwendet hatte, zeigten seine frühen Werke – etwa Armoire blanche et table blanche (Weißer Schrank und weißer Tisch, 1965) – nicht eine Abkehr von der Poesie, sondern vielmehr den Versuch, dieser eine materielle Gestalt zu verleihen. Broodthaers suchte kontinuierlich nach Wegen, Sprache physisch erfahrbar zu machen, und arbeitete dabei medienübergreifend – von Poesie über Skulptur und Malerei bis hin zu Künstlerbüchern, Druckgrafik und Film.

 

Im Jahr 2016 organisierte das Museum of Modern Art (MoMA), New York, eine umfangreiche Retrospektive, in der zentrale Werke aus allen Phasen seines Schaffens vereint wurden. Die Ausstellung verdeutlichte die Komplexität seiner künstlerischen Entwicklung, deren Einfluss trotz der vergleichsweise kurzen Dauer seines Wirkens bis heute nachhaltig spürbar bleibt. Anschließend wurde die Präsentation im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía (MNCARS) in Madrid (2016) und in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (KNW), Düsseldorf (2017), gezeigt.

 

Broodthaers’ Arbeiten sind heute in zahlreichen bedeutenden Museen weltweit vertreten. Dazu zählen unter anderem das Art Institute of Chicago, das Museum of Modern Art in New York, die National Gallery of Art in Washington D.C., die Tate Gallery in London sowie das Bonnefantenmuseum in den Niederlanden. Auch das Museu d'Art Contemporani de Barcelona in Spanien, das Philadelphia Museum of Art und das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent präsentieren Werke des Künstlers in ihren Sammlungen.