Hanne Darboven Deutschland, 1941-2009

Meine Arbeit ist eine Form des Aufzeichnens im Sinne von Existenz; sie ist ein Prozess des Durcharbeitens

— Hanne Darboven

Hanne Darboven (1941–2009) war eine zentrale Figur der Konzeptkunst der Nachkriegszeit, deren Werk sich durch eine rigorose Auseinandersetzung mit Zeit, Serialität und Notationssystemen auszeichnet. Obwohl sie überwiegend in Hamburg lebte und arbeitete, erfolgte Darbovens künstlerischer Durchbruch während eines längeren Aufenthalts in New York Ende der 1960er-Jahre. Dort trat sie in einen engen Dialog mit Künstlern wie Sol LeWitt, Lawrence Weiner und Carl Andre und verortete ihre Praxis innerhalb des sich herausbildenden theoretischen Rahmens von Konzeptkunst und Minimal Art. 

Im Zentrum von Darbovens Werk steht die Übersetzung von Zeit in visuelle und räumliche Form. Mittels Schreiben, Zeichnung, Zahlenfolgen und serieller Strukturen entwickelte sie Verfahren zur Aufzeichnung von Arbeitszeit, biografischer Zeit und historischer Zeit. Diese Systeme wurden mit strenger Konsequenz angewandt und reduzierten subjektiven Ausdruck zugunsten prozessualer Klarheit. Bedeutung entsteht in ihrem Werk durch Dauer, Wiederholung und die anhaltende Auseinandersetzung der Betrachtenden mit der jeweiligen Struktur. 

Darboven lehnte expressive Autorschaft zugunsten serieller Prozesse ab, die Wahrnehmung und Erkenntnis in den Vordergrund stellen. Der Akt des Lesens, Nachvollziehens und Verstehens ihrer Systeme wird zu einem integralen Bestandteil des Werks selbst und positioniert die Rezeption als aktiven Teil der künstlerischen Erfahrung. 

Ihre erste Ausstellung mit der Konrad Fischer Galerie fand 1967 in Düsseldorf statt und war erst die zweite Ausstellung überhaupt im ursprünglichen Galerieraum. Darboven nahm an der documenta 5 (1972) und der documenta 6 (1977) in Kassel teil und bestätigte damit ihre zentrale Rolle in der Entwicklung der internationalen Konzeptkunst. 

Ihre Arbeiten befinden sich in bedeutenden Museumssammlungen weltweit, darunter das Museum of Modern Art, New York; das Guggenheim Museum, New York; das Art Institute of Chicago; Tate, London; das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.; sowie das Migros Museum, Zürich.