Charlotte Posenenske Deutschland, 1930-1985

Die Objekte sind nicht dazu bestimmt, etwas anderes darzustellen als das, was sie sind 

— Charlotte Posenenske

Charlotte Posenenske (1930–1985) entwickelte innerhalb des europäischen Minimalismus der Nachkriegszeit eine eigenständige und außerordentlich stringente künstlerische Praxis. In einer konzentrierten Arbeitsphase zwischen Mitte der 1950er-Jahre und 1968 schuf sie ein Werk, das die Beziehung zwischen Skulptur, Architektur und Partizipation grundlegend neu bestimmte. Ihre Arbeit basierte auf serieller Produktion, dem Einsatz industrieller Materialien und einer konsequenten Auseinandersetzung mit den sozialen Bedingungen künstlerischer Arbeit. 

Die Abwendung von traditionellen malerischen Verfahren führte Posenenske zu Materialien wie Blech, Wellkarton und Sprühlack. Die daraus hervorgehenden Arbeiten – häufig modular aufgebaut, variabel und an architektonische oder infrastrukturelle Elemente erinnernd – waren nicht als abgeschlossene Objekte konzipiert, sondern als offene Systeme. Viele ihrer Werkserien ließen sich in unterschiedlichen Konfigurationen montieren und räumlich neu anordnen, wodurch die Betrachtenden aktiv in die Gestaltung und Wirkung der Arbeiten einbezogen wurden. Diese Betonung von Veränderbarkeit und kollektiver Teilhabe formulierte Posenenske programmatisch in ihrem Aufruf zu einem „Schluss mit der Ichigkeit“ – einer radikalen Abkehr vom individuellen Autorschaftsgestus. 

Ihre Praxis war eng mit Fragen von Serialität, Standardisierung und Produktion verbunden. Indem sie Werke vorschlug, die als Prototypen fungierten und in unbegrenzter Serie existieren konnten, stellte sie gängige Vorstellungen von Einzigartigkeit, Dauerhaftigkeit und der Autonomie des Kunstwerks infrage. Partizipation – nicht nur im Akt des Betrachtens, sondern in der physischen Konfiguration der Arbeiten – bildete einen integralen Bestandteil ihres Ansatzes und reflektierte ihr Interesse an den sozialen Dimensionen künstlerischer Praxis. 

Posenenskes erste Ausstellung bei der Konrad Fischer Galerie fand 1967 statt und war erst die zweite Ausstellung in der Geschichte der Galerie. Sie begründete eine frühe und prägende Verbindung zwischen der Künstlerin und dem Galerieprogramm. Der Schaffensimpuls dieser Phase kulminierte 1968 in ihrem Rückzug aus der künstlerischen Produktion. Überzeugt davon, dass Kunst in ihrer damaligen Form den dringenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen nicht gerecht werden könne, wandte sich Posenenske der Soziologie zu und arbeitete fortan zu Fragen von Arbeit und industriellen Produktionsprozessen – Themen, die bereits den konzeptuellen und materiellen Rahmen ihrer Skulpturen geprägt hatten. 

Obwohl sie keine neuen Kunstwerke mehr produzierte, blieb Posenenskes Praxis von nachhaltiger Wirkung. Ihr Werk war Gegenstand bedeutender institutioneller Retrospektiven und Überblicksausstellungen, darunter die umfassende Ausstellung Charlotte Posenenske: Work in Progress, organisiert von der Dia Art Foundation in Dia:Beacon (2019) und anschließend gezeigt in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowie an weiteren europäischen Institutionen. Zudem wurde ihre Arbeit in zentralen internationalen Ausstellungen gewürdigt, etwa auf der documenta 12 in Kassel (2007), in In & Out of Amsterdam: Travels in Conceptual Art, 1960–1976 im Museum of Modern Art, New York (2009), sowie in Präsentationen im Rahmen der Biennale von São Paulo. Ihre Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter Centre Pompidou, Paris; Tate Modern, London; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt; Museum Ludwig, Köln; und die Neue Nationalgalerie, Berlin.