Ich sehe meine Bilder als Naturerscheinungen
— Tatjana Valsang
Tatjana Valsang (geb. 1963, St. Tönis) ist eine deutsche Malerin, deren Werk durch eine kontinuierliche Untersuchung der Beziehungen zwischen Farbe, Form und räumlicher Wahrnehmung geprägt ist. In einem prozesshaften Zugang zur Abstraktion entwickelte sie eine eigenständige malerische Sprache, die auf materieller Sensibilität, schichtweisem Aufbau und langfristiger formaler Forschung beruht.
Valsang studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie insbesondere von den konzeptuellen und materialbezogenen Ansätzen von Klaus Rinke und Dieter Krieg beeinflusst wurde. Nach dem Studium arbeitete sie über einen längeren Zeitraum außerhalb des öffentlichen Kunstbetriebs und widmete sich intensiv der experimentellen Erprobung und präzisen Ausformulierung malerischer Mittel. Diese Phase konzentrierter, unabhängiger Arbeit bildete die Grundlage für ein reifes und geschlossenes Œuvre, das sich bis heute durch sorgfältige Aufmerksamkeit für Prozess und Wahrnehmung weiterentwickelt.
Ihre Gemälde entstehen überwiegend in einer Nass-in-Nass-Technik, die es den Farben erlaubt, sich zu verbinden, aufzulösen und in überlagernden Schichten erneut hervorzutreten. Die zeitliche Abfolge des Arbeitsprozesses bleibt sichtbar, da transparente Farbschichten die einzelnen Stadien des Farbauftrags dokumentieren. Valsang arbeitet häufig mit horizontal liegender Leinwand und bezieht Schwerkraft, Fließbewegungen und kontrollierte Gesten aktiv in die Bildentstehung ein. Die daraus resultierenden Kompositionen vermitteln Tiefe und Bewegung, ohne ihre Leichtigkeit und Offenheit zu verlieren.
Obwohl Valsangs Formen bisweilen organische oder biomorphe Assoziationen hervorrufen, fungieren sie nicht als Darstellungen von Natur, sondern entstehen aus dem Zusammenspiel bewusster malerischer Entscheidungen und dem Eigenverhalten des Mediums. Farbe wirkt in ihrem Werk als physisches und räumliches Element, nicht allein als optisches Phänomen, und erzeugt leuchtende Bildflächen, die Dichte und Transparenz ausbalancieren. Die scheinbare Mühelosigkeit dieser Erscheinung gründet auf einer hohen technischen Präzision, die es erlaubt, Zufälligkeit innerhalb klar definierter Parameter wirksam werden zu lassen. Ihre Malerei reflektiert ein anhaltendes Interesse an Malerei als zeitlichem und körperlichem Prozess, in dem der intensive Dialog zwischen Pinsel, Pigment und Bildträger zwischen Offenheit und Setzung vermittelt und Malerei als eigenständiges Erkenntnisfeld erfahrbar macht.
Tatjana Valsang stellte erstmals 2011 bei der Konrad Fischer Galerie aus. Seither wurde ihr Werk in institutionellen Ausstellungen präsentiert, darunter im Krefelder Kunstverein (2025), im Ludwig Museum Koblenz (2023), in der Kunsthalle Düsseldorf (2022) sowie in der Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal (2013).
Tatjana Valsang lebt und arbeitet in Wuppertal, Deutschland.
