Jannis Kounellis (geb. 1936, Piräus, Griechenland; gest. 2017, Rom, Italien) war eine prägende Figur der europäischen Nachkriegskunst und ein zentraler Protagonist der Arte Povera. In Griechenland geboren, zog er 1956 nach Rom, um an der Accademia di Belle Arti zu studieren, wo er bis zu seinem Lebensende lebte und arbeitete. Seit dem späten 1950er- und insbesondere in den 1960er-Jahren entwickelte sich seine künstlerische Praxis in bewusster Opposition zur zunehmenden Technokratisierung und Konsumorientierung der Zeit und formulierte ein erneuertes Interesse an materieller Präsenz, Geschichte und menschlicher Arbeit.
Kounellis realisierte Installationen und Skulpturen aus elementaren Materialien aus Natur und Industrie, darunter Eisen, Kohle, Blei, Holz, Stein, Seil, Erde und Feuer. Diese Werkstoffe – häufig mit Assoziationen an Häfen, Werkstätten und Arbeitsorte verbunden – wurden nicht aufgrund formaler Veredelung gewählt, sondern wegen ihres physischen Gewichts, ihrer historischen Resonanz und ihrer symbolischen Aufladung.
In enger geistiger Nähe zu Künstlern wie Joseph Beuys spielte Kounellis eine entscheidende Rolle bei der Neudefinition von Skulptur und Installation als erfahrungs- und raumbezogene Praktiken. Sein Werk erfuhr früh und kontinuierlich Anerkennung insbesondere in Deutschland wie auch international. Seine erste Einzelausstellung in der Konrad Fischer Galerie fand 1980 statt.
Seit den frühen 1960er-Jahren wurde Kounellis’ Werk weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, darunter auf der Biennale von Venedig, der documenta in Kassel sowie der Triennale di Milano. Arbeiten von Kounellis befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum, New York; Tate, London; Centre Pompidou, Paris; Hamburger Bahnhof und Neue Nationalgalerie, Berlin; Stedelijk Museum, Amsterdam; Van Abbemuseum, Eindhoven; K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; S.M.A.K., Gent; sowie im Museum of Contemporary Art, Sydney.
Umfangreiche Einzelausstellungen und Retrospektiven wurden unter anderem im Museo Jumex, Mexiko-Stadt, und im Walker Art Center, Minneapolis (2022–23), im MAXXI, Rom (2023), in der Tate Modern, London, im Museo Novecento, Florenz, in der Fondazione Prada, Venedig, in der Monnaie de Paris, im Museo Espacio, im Musée d’Art Moderne, Saint-Étienne, im Parasol Unit, London, im Museum of Cycladic Art, Athen, im Today Art Museum, Peking, sowie in der Neuen Nationalgalerie, Berlin, gezeigt.
