Paloma Varga Weisz Deutschland, 1966

Paloma Varga Weisz arbeitet vorwiegend mit Skulptur und Zeichnung und entwickelt eine Praxis, die auf traditioneller Handwerkskunst ebenso wie auf psychologischer Befragung beruht. Ihr Werk ist geprägt von einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit historischen Techniken und Formen, verbunden mit der Erforschung von Ambiguität, Transformation und der menschlichen Figur. In materiell präzisen und zugleich konzeptuell offenen Arbeiten bringt Varga Weisz etablierte skulpturale Sprachen in einen Dialog mit zeitgenössischen Fragestellungen. 

Paloma Varga Weisz wurde 1966 in Mannheim geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie zunächst in Bayern, wo sie eine klassische handwerkliche Schulung in Holzbildhauerei, Modellieren und Gussverfahren absolvierte. In den 1990er-Jahren setzte sie ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort. Diese doppelte Ausbildung prägt ihre Arbeit bis heute, in der die physische Arbeit des Herstellens sichtbar und integraler Bestandteil des Werks bleibt. Vorwiegend mit Holz arbeitend, ergänzt durch Bronze, Gips und Arbeiten auf Papier, schafft sie Skulpturen und Zeichnungen mit komplexen Oberflächen und ausgeprägter haptischer Präsenz. 

Varga Weisz’ Schnitzarbeiten setzen sich häufig mit Konventionen skulpturaler Präsentation auseinander und hinterfragen subtil etablierte Hierarchien und Darstellungsweisen. Ihre Figuren – sowohl plastisch als auch zeichnerisch – greifen auf persönliche Bezüge ebenso wie auf kollektive Bildwelten zurück. Anthropomorphe Körper, hybride Wesen sowie verzerrte oder fragmentierte Formen kehren in ihrem Werk immer wieder und bilden eine Bildsprache, in der Vertrautheit und Fremdheit nebeneinander bestehen. Diese Figuren erzählen keine konkreten Geschichten, sondern evozieren Zustände von Unsicherheit, Innerlichkeit und körperlicher Verletzlichkeit. 

Anstatt sich eindeutig einer historischen Quelle zuzuordnen, bewegt sich Varga Weisz’ Werk über unterschiedliche Zeitebenen hinweg. Anklänge an mittelalterliche Schnitzkunst, volkstümliche Traditionen oder frühneuzeitliche Skulptur erscheinen neben Gesten, die eindeutig zeitgenössisch wirken. Diese zeitliche Offenheit entzieht die Arbeiten einer festen Interpretation und positioniert sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Figuration und Abstraktion, Nähe und Distanz. Die Zeichnung nimmt dabei eine zentrale Rolle ein – sowohl als eigenständiges Medium als auch als experimenteller Raum, der die skulpturale Arbeit maßgeblich beeinflusst. 

Varga Weisz war Gegenstand bedeutender institutioneller Einzelausstellungen, unter anderem am Henry Moore Institute, Leeds (2020), im Bonnefantenmuseum, Maastricht (2019), im Castello di Rivoli, Turin (2015), sowie im Salzburger Kunstverein (2015). Ihre Arbeiten befinden sich in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit, darunter im Museum of Modern Art, New York, im Hammer Museum, Los Angeles, in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, im Museum Kurhaus Kleve, in der Olbricht Collection, Berlin, sowie in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland. 

Paloma Varga Weisz lebt und arbeitet in Düsseldorf.