Man legt eine Schallplatte auf, und es ist, als würden alle Kanten verschwinden
— Jim Lambie
Jim Lambie (geb. 1964, Glasgow) ist international bekannt für immersive, farbintensive Installationen, die alltägliche Materialien in expressive skulpturale und architektonische Interventionen überführen. Geprägt von Musik, Humor und dem Einsatz gefundener Objekte, verleiht seine Praxis der zeitgenössischen Skulptur eine unverwechselbare Pop-Sensibilität und bleibt dabei stets aufmerksam gegenüber Raum, Rhythmus und sinnlicher Erfahrung.
Ursprünglich als Musiker tätig, ist Lambies künstlerisches Werk tief vom Geist der Punk- und Rockkultur geprägt, die seine Glasgower Jugend bestimmte. Musik fungiert dabei nicht nur als Referenz, sondern als strukturelles Prinzip: Wiederholung, Improvisation und Tempo bilden zentrale Grundlagen seines künstlerischen Arbeitens. Plattenspieler, Schallplattenhüllen, Lautsprecher und verwandte Ephemera kehren in seinem Werk immer wieder, übersetzen Klangkultur in visuelle Formen und verankern seine Installationen in persönlicher wie kollektiver Erinnerung.
Besonders bekannt ist Lambie für seine architektonischen Eingriffe, bei denen Böden, Wände oder Schwellen sorgfältig mit leuchtend farbigen Vinyl- oder Isolierbändern gestreift werden. Darüber hinaus transformiert er farbgetränkte Matratzen, modifizierte Spiegel, Türen, Kleidungsstücke und Objekte aus Trödelläden zu Skulpturen, die Humor und eine subtile Melancholie miteinander verbinden. Mit Witz und materieller Sensibilität erhebt er die Überreste des modernen Alltags zu prägnanten künstlerischen Setzungen.
Lambie studierte an der Glasgow School of Art und lebt und arbeitet weiterhin in Glasgow. 2005 wurde er für den Turner Prize nominiert; 2003 vertrat er Schottland auf der 50. Biennale von Venedig. 2017 erschien eine umfassende Monografie bei Skira Rizzoli. Internationale institutionelle Einzelausstellungen umfassen unter anderem Directions, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C. (2006); Eight Miles High, ACCA Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne (2008); Unknown Pleasures, Hara Museum of Contemporary Art, Tokio (2008); RSVP, Museum of Fine Arts, Boston (2008); ZOBOP, Jupiter Artland, Edinburgh (2010); Shaved Ice, Art Basel Unlimited, Basel (2015); sowie Spiral Scratch, Pacific Place, Hongkong (2018). Zudem nahm er an der Carnegie International im Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (2004) teil.
Werke von Jim Lambie befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter Tate, London; Museum of Modern Art, New York; Centre Pompidou, Paris; Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.; Museum of Fine Arts, Boston; sowie die Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh.
