Rachel Harrison (*1966, New York) erwarb 1989 einen Bachelorabschluss an der Wesleyan University und arbeitet seit den frühen 1990er-Jahren medienübergreifend in den Bereichen Skulptur, Fotografie, Video und Zeichnung. Sie lebt und arbeitet in Brooklyn und ist insbesondere für skulpturale Assemblagen bekannt, in denen gegossene Formen mit gefundenen sowie kommerziellen Objekten kombiniert werden.
Ihr Werk ist in einem spät-analogen Kontext verortet, der stärker von Massenmedien und Konsumbildern als von digitaler Kultur geprägt ist. Bilder – häufig der Populärkultur entlehnt – sind in skulpturale Strukturen eingebettet, die sie beschweren, sperrig machen und ihrem reibungslosen Funktionieren entgegenstehen. Materialien wie Polystyrol und Zement, oft in kräftigen, künstlichen Farben gefasst, werden mit Alltagsgegenständen wie Seilen, Werkzeugen und Konsumartikeln verbunden. Die Arbeiten sind als plastische Körper im Raum erfahrbar; ihre Bedeutung verschiebt sich mit der Bewegung der Betrachterinnen und Betrachter.
Harrisons Praxis bewegt sich zwischen Strategien der Wiederholung und Verschiebung, wie sie mit Positionen etwa von Elaine Sturtevant verbunden sind, und einem materiell bestimmten Ansatz der Assemblage, der eher an Isa Genzken erinnert. Im Unterschied zu künstlerischen Strategien, die auf Verweigerung oder Opazität setzen, zeichnen sich ihre Skulpturen durch Direktheit und physische Präsenz aus: Referenzen bleiben sichtbar, ohne sich zu eindeutigen Lesarten zu verfestigen. Humor nimmt dabei eine zentrale Rolle ein und entsteht aus Fehlanpassungen, Übersteigerungen sowie aus dem Scheitern von Bildern, ihre ursprüngliche Funktion zu erfüllen, sobald sie skulptural umgesetzt werden.
Obwohl Harrisons Werk von der Kunst der Nachkriegszeit und des späten 20. Jahrhunderts geprägt ist, entwickelte sie früh eine eigenständige Position. Es teilt mit Künstlerinnen und Künstlern wie Mike Kelley und Cady Noland ein Interesse an amerikanischen Bildwelten und kulturellen Mythen, bewahrt jedoch einen ausgeprägten materiellen und räumlichen Fokus, der es von späteren, stärker immateriellen Ansätzen unterscheidet.
Rachel Harrison war Gegenstand zahlreicher internationaler Einzelausstellungen, darunter eine umfassende Überblicksausstellung im Whitney Museum of American Art, New York (2019–2020). Ihre Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter das Museum of Modern Art, New York, die Tate Modern, London, das Centre Pompidou, Paris, das Art Institute of Chicago sowie das Stedelijk Museum, Amsterdam.
Harrison lebt und arbeitet in New York.
