Jan Dibbets Niederlande, 1941

Als Pionier des Mediums anerkannt, gehörte Jan Dibbets zu den ersten Künstlern, die 1967 die Farbfotografie als vollständig autonomes künstlerisches Ausdrucksmittel einsetzten. Seine Praxis nimmt eine Schlüsselstellung an der Schnittstelle von Fotografie, Konzeptkunst und Land Art ein und hat das Verständnis von fotografischem Raum und Wahrnehmung grundlegend neu geprägt. 

Jan Dibbets wurde 1941 im niederländischen Weert geboren. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Kunstlehrer an der Akademie in Tilburg, bevor er zwischen 1960 und 1963 Malerei in Eindhoven studierte. 1967 ging er mit einem Stipendium des British Council nach London, um an der Saint Martin’s School of Art zu studieren, wo er unter anderem von Antony Caro unterrichtet wurde. In dieser prägenden Phase begegnete er Kommilitonen wie George Passmore (von Gilbert & George), Barry Flanagan und Richard Long und arbeitete mit ihnen zusammen – Kontakte, die ihn in einen direkten Austausch mit sich entwickelnden skulpturalen, konzeptuellen und landbezogenen Praktiken brachten. 

In diesem Kontext wandte sich Dibbets entschieden der Fotografie zu und begann eine kontinuierliche Untersuchung der Fähigkeit des Mediums, Realität zu beschreiben, zu verzerren und zu konstruieren. Besonders bekannt für seine Perspective Corrections und illusionistischen „Horizont“-Collagen, etabliert sein Werk einen dynamischen Dialog zwischen Naturraum und geometrischer Form. In einem philosophischen Zugriff auf das Bild hinterfragt Dibbets die Art und Weise, wie die Fotografie den Bildraum nivelliert und zugleich einen Anspruch auf Objektivität erhebt. 

Dibbets’ internationale Reputation festigte sich durch seine Vertretung der Niederlande im niederländischen Pavillon der Biennale von Venedig 1972 sowie durch seine Teilnahme an der documenta in Kassel in den Jahren 1972, 1977 und 1988. Seine erste Retrospektive in den USA wurde 1987 im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, eröffnet und anschließend in mehreren Museen in den Vereinigten Staaten gezeigt. 

Von ebenso großer Bedeutung ist Dibbets’ Einfluss als Pädagoge. Von 1984 bis 2004 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, einer der führenden Kunsthochschulen Europas. Seine Lehrtätigkeit fiel in eine Zeit, in der dort auch Joseph Beuys, Gerhard Richter sowie Bernd und Hilla Becher wirkten, und sein pädagogisches Vermächtnis prägte Generationen jüngerer Fotografinnen und Künstlerinnen. 

Dibbets’ Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter The Museum of Modern Art (MoMA), New York; das Solomon R. Guggenheim Museum, New York; Tate, London; das Stedelijk Museum, Amsterdam; die Hamburger Kunsthalle; das Louisiana Museum of Modern Art, Dänemark; das Museu Serralves, Porto; sowie die Walker Art Gallery, Liverpool. 

Dibbets lebt und arbeitet in Amsterdam.