Harald Klingelhöller Deutschland, 1954

Harald Klingelhöller nimmt seit Mitte der 1980er-Jahre eine eigenständige Position an der Schnittstelle von Skulptur und Sprache ein. Als „linguistischer Flaneur“ transformiert er das geschriebene und gesprochene Wort in dreidimensionale Form. Seine Praxis erzeugt eine Spannung zwischen narrativen Elementen und bildender Kunst und bedient sich dabei eines breiten Materialspektrums – von fragilen Materialien wie Papier, Karton und Glasspiegeln bis hin zu schweren Werkstoffen wie Stahl und Granit. 

Klingelhöllers Skulpturen lassen sich als räumliche Transkriptionen von Sprache lesen. Sie spielen mit Intonation, Wiederholung und dem linearen Verlauf von Buchstaben. Die von ihm verwendeten metaphorischen und poetischen Wortfolgen – entnommen etwa der Presse, der Lyrik oder medizinischen und juristischen Texten – fungieren dabei keineswegs lediglich als Titel. Vielmehr etablieren sie einen Rahmen, in dem Sprache und Objekt koexistieren, ohne je vollständig zur Deckung zu gelangen. Gerade diese Nicht-Übereinstimmung bildet den zentralen Untersuchungsgegenstand seiner Arbeit: die unvorhersehbare Beziehung zwischen dem Wort und der parallelen Welt der Dinge. 

Dieser offene Dialog ermöglicht es, sein Œuvre als Metapher für ein spezifisches Kunstverständnis zu lesen – eines, das auf der Autonomie des Werks beharrt und zugleich zur diskursiven Auseinandersetzung mit seiner Bedeutung einlädt. Klingelhöllers Arbeiten werden seit Jahrzehnten international rezipiert und in bedeutenden Ausstellungen präsentiert, darunter Skulptur Projekte Münster (1987), die Whitechapel Gallery, London (1990), documenta 9 (1992) sowie umfassende Einzelausstellungen im Lenbachhaus München (1997) und im Museu Serralves, Porto (2007). Jüngere Präsentationen umfassen die Ausstellung Die Welt erzählt (zweifach, sternförmig) (2020–21) in der Konrad Fischer Galerie, Schneefall erzählt (2022) in der Skulpturenhalle – Thomas Schütte Foundation, Neuss, sowie Routes Après la Pluie (Double, En Forme d’étoile) (2021) in der Galerie Jocelyn Wolff, Paris. 

Seine erste Ausstellung bei Konrad Fischer fand 1991 statt. Über viele Jahre lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf sowie zuvor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo seine intensive Auseinandersetzung mit Sprache und Form sowohl seine Lehre als auch seine künstlerische Praxis nachhaltig prägte. 

Klingelhöller lebt und arbeitet in Düsseldorf und Karlsruhe.