Richard Long Vereinigtes Königreich, 1945

Meine Kunst ist die Essenz meiner Erfahrung, nicht deren Darstellung


— Richard Long

Richard Long (geb. 1945, Bristol, UK) zählt seit dem späten 1960er-Jahren zu den prägenden Figuren der britischen Konzept- und Land Art. Durch den Akt des Gehens und die Auseinandersetzung mit Landschaft als Material und Sujet hat er die Grenzen der Skulptur grundlegend neu definiert. Sein wegweisendes Werk A Line Made by Walking (1967), noch während seiner Studienzeit entstanden, markierte einen radikalen Wendepunkt in der skulpturalen Praxis und legte den Grundstein für eine künstlerische Sprache, in der Zeit, Distanz und Bewegung zu konstitutiven Elementen wurden. Als einfache Spur, die durch die Schritte des Künstlers in Gras gedrückt wurde, verwandelte die Arbeit eine solitäre Handlung in ein skulpturales Ereignis und etablierte die Prämisse, dass der Weg selbst Kunst sein kann. Internationale Aufmerksamkeit erlangte dieser Ansatz früh mit Longs Teilnahme an der legendären Ausstellung When Attitude Becomes Form in der Kunsthalle Bern 1969. 

Longs Beziehung zur Konrad Fischer Galerie begann bereits ein Jahr zuvor, 1968, mit seiner ersten internationalen Einzelausstellung in Düsseldorf. Nur wenige Monate nach A Line Made by Walking präsentiert, zeigte die Ausstellung unter anderem Sculpture, eine Arbeit aus Weidenstöcken, die der Künstler am Fluss Avon gesammelt hatte, und markierte einen entscheidenden Moment in seiner frühen Laufbahn. Die frühe und kontinuierliche Unterstützung durch Konrad Fischer spielte eine maßgebliche Rolle bei der Einführung von Longs Werk in einen breiteren europäischen Kontext und positionierte seine radikale Auseinandersetzung mit Landschaft, Geometrie und Bewegung innerhalb des entstehenden Diskurses um Minimal und Conceptual Art. 

Seit den späten 1960er-Jahren hat Long seine Wanderungen und skulpturalen Interventionen auf entlegene Landschaften weltweit ausgeweitet – von Gebirgszügen und Wüsten über Flussbetten bis hin zu Küstenregionen. In direkter Auseinandersetzung mit den jeweiligen Orten und ihren Bedingungen entstehen temporäre Skulpturen aus Steinen, Treibholz, Schlamm und anderen organischen Materialien, die archetypische Formen annehmen und an urzeitliche Zeichen in der Landschaft erinnern. Viele dieser Arbeiten verbleiben vor Ort und werden von Witterung und Zeit verändert; dokumentiert sind sie durch Fotografien, Karten und Textarbeiten, die mit präzisen Maßangaben, Ortsnamen und Beschreibungen natürlicher Phänomene verdichtete Erzählungen von Bewegung und Erfahrung erzeugen. In den 1980er-Jahren begann Long zudem, Schlammarbeiten direkt auf die Galeriewand aufzubringen und damit die Beziehung zwischen Naturraum und institutionellem Ausstellungsraum weiter auszudehnen. 

Seit über fünf Jahrzehnten stellt Long international aus. Zu den bedeutenden Retrospektiven und Einzelausstellungen zählen unter anderem das Solomon R. Guggenheim Museum, New York (1986); das National Museum of Modern Art, Kyōto (1996); das San Francisco Museum of Modern Art (2006); die Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh (2007); Tate Britain, London (2009); der Hamburger Bahnhof, Berlin (2010); Arnolfini, Bristol (2015); Houghton Hall, Norfolk (2017); das De Pont Museum, Tilburg (2019); M Leuven, Belgien (2021); das Yale Center for British Art, New Haven (2022–23); sowie das Rijksmuseum, Amsterdam (2023). 1976 vertrat er Großbritannien auf der 37. Biennale von Venedig; 1989 wurde ihm der Turner Prize verliehen. 

Long studierte am West of England College of Art in Bristol (1962–65) sowie an der St Martin’s School of Art in London (1966–68). Er lebt und arbeitet in Bristol, UK.