Thomas Ruff Deutschland, 1958

Mich interessiert nicht, was sich vor der Kamera befindet, sondern was mit dem Bild geschieht

— Thomas Ruff

Thomas Ruff (geb. 1958, Zell am Harmersbach) zählt zu den prägenden Künstlern der zeitgenössischen Fotografie seit dem späten 20. Jahrhundert. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er Ende der 1980er-Jahre als Vertreter der sogenannten Düsseldorfer Schule. Von 1977 bis 1985 studierte er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher. Während er deren Interesse an Serialität und typologischem Denken teilte, entwickelte Ruff früh eine eigenständige künstlerische Position, die die konzeptuellen und technischen Möglichkeiten des Mediums entscheidend erweiterte. 

Ruffs Werk ist überwiegend in klar abgegrenzten Serien organisiert und umfasst ein breites Spektrum fotografischer Gattungen, darunter Porträt, Architekturfotografie, Landschaft, Akt sowie angeeignetes Bildmaterial. Von den frühen großformatigen Porträts und Interieurs bis hin zu späteren, digital erzeugten Arbeiten untersucht seine Praxis konsequent die Bedingungen, unter denen fotografische Bilder entstehen, zirkulieren und wahrgenommen werden. Seit den 1990er-Jahren rückte die Kamera zunehmend in den Hintergrund; stattdessen begann Ruff, bestehende Bilder und digitale Daten zu manipulieren und Bildmaterial aus dem Internet, aus wissenschaftlichen Visualisierungen und aus computerbasierten Bildwelten zu integrieren. In diesen Werkkomplexen reflektiert er, wie technologische Entwicklungen Vorstellungen von Objektivität, Realismus und visueller Wahrheit verändern. 

Thomas Ruff hat seine Arbeiten in zahlreichen bedeutenden internationalen Institutionen präsentiert. Zu den ausgewählten Einzelausstellungen zählen Präsentationen im K20 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (2020–2021), im National Taiwan Museum of Fine Arts, Taichung (2021), im Musée d’art moderne et contemporain de Saint-Étienne Métropole (2022), in der Whitechapel Gallery, London (2017), im National Museum of Modern Art, Tokio (2016), in der Art Gallery of Ontario, Toronto (2016), im Haus der Kunst, München (2012), im Castello di Rivoli, Turin (2009), sowie im Moderna Museet, Stockholm (2007). Eine umfassende Retrospektive, Thomas Ruff: Photographs 1979 to Present, wurde 2001 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden eröffnet und war bis 2004 international zu sehen. 

Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen bedeutenden öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, bei Tate, London, im Centre Pompidou, Paris, im Metropolitan Museum of Art, New York, sowie in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Seit 1984 stellt er bei der Konrad Fischer Galerie aus.

Thomas Ruff lebt und arbeitet in Düsseldorf.