Petra Wunderlich ist bekannt für eine fotografische Praxis, die architektonische Formen, materielle Herkunft und urbane Transformation mit einer zurückhaltenden und methodischen Bildsprache untersucht. Vorwiegend in Schwarzweiß arbeitend, bringt sie gebaute Räume und geologische Orte in eine direkte Beziehung zueinander und entwickelt eine nüchterne Reflexion darüber, wie Städte durch Prozesse von Abbau, Konstruktion und Erosion geprägt werden.
Wunderlich studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher und schloss ihr Studium 1994 ab. Sie gehört damit jener Generation an, die die konzeptuelle Fotografie als eigenständige künstlerische Praxis etablierte. Während ihr Werk die formale Strenge und die frontale Bildauffassung der Bechers teilt, löst es sich bewusst von deren typologischen Ordnungssystemen. Anstelle serieller Klassifikationen arbeitet Wunderlich mit assoziativen Gegenüberstellungen – insbesondere von sakraler Architektur und Steinbrüchen –, die es ermöglichen, materielle Herkunft, kulturelle Bedeutung und zeitliche Veränderung innerhalb eines zusammenhängenden Werkkomplexes zu verschränken.
Ihre Motive bewegen sich häufig zwischen Kirchenfassaden und Synagogen einerseits und den abgebauten Landschaften andererseits, aus denen die verwendeten Baumaterialien stammen. Diese Bildgegenstände werden ohne Monumentalisierung oder narrative Rahmung präsentiert; im Vordergrund stehen Struktur, Oberfläche und Proportion. Wunderlich arbeitet mit einem konsequent horizontalen Bildformat, zentraler Perspektive und frühem Morgenlicht. Die Aufnahmen entstehen aus leicht erhöhter Position und zeichnen sich durch klare, gleichmäßige Ausleuchtung aus. Menschliche Präsenz ist bewusst ausgeschlossen, sodass die Architektur zugleich spezifisch und abstrahiert erscheint.
Die Auseinandersetzung mit Materialität setzt sich über das Motiv hinaus im fotografischen Abzug fort. Wunderlich arbeitet analog und fertigt ihre Prints auf japanischem Papier mit hohem Silberanteil an, wodurch ein differenziertes Tonwertspektrum und eine ausgeprägte Oberflächentiefe entstehen. Diese Arbeitsweise knüpft ihre zeitgenössische Praxis an frühere fotografische Traditionen an, die sich mit Zeit, Dokumentation und Vergänglichkeit befassen. Eine frühe Begegnung mit dem Werk von Eugène Atget, die sie während eines Malereistudiums in Paris machte, war prägend für ihren Wechsel zur Fotografie und beeinflusst ihre künstlerische Haltung bis heute.
Petra Wunderlich lebt und arbeitet in Berlin und New York.
