Jerry Zeniuk USA, 1945

Jerry Zeniuk ist ein Maler, dessen Werk gleichermaßen von der Strenge der amerikanischen modernistischen Abstraktion, der historischen Tiefe europäischer Malerei sowie von Raumkonzepten der ostasiatischen Kunst geprägt ist. Seit seinem Auftreten Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wird seine Praxis häufig mit analytischer oder fundamentaler Malerei in Verbindung gebracht, entzieht sich jedoch festen Kategorisierungen durch ihre konsequente Ausrichtung auf Wahrnehmung und Erfahrung. Diese Synthese führt zu Gemälden, die Freiheit und Regelhaftigkeit, Unmittelbarkeit und Überlegung in ein ausgewogenes Verhältnis setzen und sich auf eine innere Kohärenz statt auf äußere Referenzen stützen. Für Zeniuk ist Malerei kein Mittel der Darstellung, sondern ein Verfahren zur Untersuchung der Eigenlogik von Farbe, Form und Setzung. 

Jerry Zeniuk wurde 1945 in einem Flüchtlingslager bei Lüneburg als Sohn ukrainischer Eltern geboren. 1950 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Seit 1969 lebt er in New York und unterhält zugleich eine langjährige Präsenz in Deutschland. Diese transatlantische Verortung hat seine künstlerische Entwicklung nachhaltig geprägt. 

Zeniuks Gemälde zeichnen sich durch präzise aufeinander abgestimmte Farbverhältnisse und strukturell genaue Kompositionen aus. Häufig aus scheinbar einfachen Elementen wie Farbflächen, Bändern, Punkten oder verstreuten Markierungen aufgebaut, erschließen sich seine Arbeiten erst im Prozess des konzentrierten Betrachtens und offenbaren dabei feine Verschiebungen von Tonwert, Rhythmus und räumlicher Spannung. Die verwendeten Materialien bleiben traditionell – Farbe, Pinsel, Leinwand, Papier –, werden jedoch als beständige Werkzeuge verstanden, durch die sich Malerei fortwährend erneuert. Innovation entsteht dabei nicht durch den Bruch mit der Tradition, sondern aus einem präzisen und anspruchsvollen Dialog mit ihr.

Zeniuk nahm 1977 an der documenta 6 in Kassel teil. Eine große Retrospektive im Jahr 1999 lenkte erneute Aufmerksamkeit auf sein Werk und wurde von weiteren musealen Präsentationen in Europa begleitet, darunter Ausstellungen in Winterthur, Bonn, München und Kassel. Von 1993 bis 2011 war er Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München. 

Seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter die Pinakothek der Moderne, München, das Kunstmuseum Winterthur, das Museum Folkwang, Essen, das Josef Albers Museum, Bottrop, die Hamburger Kunsthalle sowie das Museum Ludwig, Köln. 

Jerry Zeniuk lebt und arbeitet in New York und München.