Merrill Wagner USA, 1935

Merrill Wagner (geb. 1935, Tacoma, Washington) ist eine US-amerikanische Künstlerin, deren Werk seit den 1960er-Jahren eine eigenständige Position zwischen Malerei, Relief, Skulptur und Installation einnimmt. Ihre Praxis ist geprägt von einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Abstraktion, Materialspezifik und dem Verhältnis von konstruierten Formen zu natürlichen Referenzen. 

Wagner studierte am Sarah Lawrence College, das sie 1957 abschloss, und zog 1959 nach New York, um an der Art Students League zu studieren. Dort arbeitete sie unter anderem mit Edwin Dickinson, Julien Levy und George Grosz. Als sie 1963 ihre Ausbildung beendete, hatten sich Minimalismus und Post-Minimalismus als prägende künstlerische Strömungen etabliert. Wagner reagierte auf diese Entwicklungen mit einer Praxis, die deren formale Fragestellungen aufgreift, sich zugleich jedoch bewusst von ihnen absetzt. Es entstanden präzise, hartkantige abstrakte Kompositionen, die eine subtile, aber nachhaltige Beziehung zur Landschaft bewahren. 

 

Mitte der 1970er-Jahre wandte sich Wagner entschieden von der Leinwand ab und begann, mit nicht-traditionellen Bildträgern wie Schiefer, Stahl und Stein zu arbeiten. Diese Materialien waren für sie nicht nur aufgrund ihrer haptischen und visuellen Qualitäten von Bedeutung, sondern auch wegen ihrer Assoziationen zu geologischen Prozessen und Zufälligkeit – Erfahrungen, die mit ihrem Aufwachsen im pazifischen Nordwesten verbunden sind. In ihrem Werk fungiert der Bildträger als aktives kompositorisches Element und nicht als neutraler Grund. Fragmente werden geordnet, gefügt und durch präzise gesetzte Farbaufträge strukturiert, wodurch Formationen entstehen, die zwischen natürlicher Unregelmäßigkeit und konstruktiver Ordnung vermitteln. 

Frühe Einzelausstellungen zeigte Wagner in den 1970er-Jahren im Künstlerkollektiv 55 Mercer in New York, gefolgt von Präsentationen bei P.S.1 und im Clocktower, beide Teil des Institute for Art and Urban Resources. Weitere Einzelausstellungen fanden unter anderem bei Art Resources Transfer, New York (2002), an der William Paterson University, Wayne, New Jersey (2006), mit einer anschließenden Station an der University of Rhode Island (2007), im Northern Columbia Community and Cultural Center, Benton, Pennsylvania (2011), an der New York Studio School (2016) sowie in der Großen Kunstschau Worpswede (2019) statt. Darüber hinaus war ihr Werk in bedeutenden Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem im Neuberger Museum of Art, an der University of Tennessee, Knoxville, im Tacoma Art Museum sowie im Aldrich Contemporary Art Museum. 

Wagner wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem National Endowment for the Arts Visual Artists Fellowship (1989), dem Hassam Purchase Award der American Academy of Arts and Letters (2002), dem Andrew Carnegie Prize der National Academy of Design (2006) sowie dem Academy Award in Art der American Academy of Arts and Letters (2006). 

Ihre Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter im Metropolitan Museum of Art und im Whitney Museum of American Art, New York, im Kunstpalast, Düsseldorf, im Kunstmuseum Den Haag sowie im Tacoma Art Museum. 

Merrill Wagner lebt und arbeitet in New York.