Ich interessiere mich dafür, was geschieht, wenn Materialien sich selbst überlassen werden
— Edith Dekyndt
Edith Dekyndt (geb. 1960 in Ypern) ist eine belgische Künstlerin, deren Praxis natürliche und kulturelle Phänomene in einer reduzierten, prozessbasierten Herangehensweise untersucht. In Medien wie Video, Skulptur, Installation, Zeichnung, Klang und Performance arbeitend, verwendet sie häufig elementare und organische Materialien wie Kupfer, Gold, Holz, Wachs, Textilien sowie gewebte oder handwerklich gefertigte Formen. Durch physikalische und chemische Prozesse – Oxidation, Verdunstung, Korrosion, Exposition – erforscht sie Zustände der Transformation, der Ephemeralität und der materiellen Instabilität. Zeitbasierte Verfahren setzen allmähliche Veränderungen in ihren Arbeiten in Gang und rücken Schwellen zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden in den Fokus.
Obwohl Dekyndts Methoden häufig an wissenschaftliche Experimente erinnern, bleibt ihr Ansatz entschieden subjektiv. Traditionelle, mit Handwerk oder Ritual assoziierte Materialien werden Bedingungen ausgesetzt, die es ihnen erlauben zu reagieren, zu altern oder sich zu zersetzen, wodurch subtile Verschiebungen entstehen, die von Zeit, Licht und Umwelteinflüssen geprägt sind. Anstelle analytischer Ergebnisse legt ihre Arbeit fragile und oftmals schwer fassbare Phänomene offen, verankert formale Fragestellungen in der physischen Realität und verhandelt grundlegende Fragen von Wahrnehmung, Wissen und Aufmerksamkeit.
Dekyndt realisierte ihre erste Einzelausstellung mit der Konrad Fischer Galerie 2017 in Düsseldorf. Seither war ihr Werk Gegenstand zahlreicher institutioneller Einzelausstellungen, zuletzt in der Kunsthalle Bielefeld (2025), der Fondation CAB, Saint-Paul-de-Vence (2024), im Teatrino di Palazzo Grassi, Venedig (2024), sowie in der Bourse de Commerce – Pinault Collection, Paris (2023). Zu früheren Einzelausstellungen zählen Präsentationen im WIELS, Brüssel (2016), im Musée de l’Abbaye de Sainte-Croix, Les Sables-d’Olonne (2016), im Le Consortium, Dijon (2015), sowie im Centre d’art contemporain, Lyon (2013). Im Jahr 2024 war sie Artist-in-Residence bei Fogo Island Arts.
Darüber hinaus war Dekyndt an bedeutenden internationalen Biennalen beteiligt, darunter die Taipei Biennial (2021), die Riga International Biennial of Contemporary Art (2020), die Bienal Internacional de Arte Contemporáneo de América del Sur (2019) sowie die 57. Biennale von Venedig (2017). Ausgewählte Gruppenausstellungen fanden zuletzt unter anderem im WIELS, Brüssel (2025), im Art Institute of Chicago (2025), im ZKM | Karlsruhe (2025), in der Kunsthalle Hamburg (2022), im GAMeC, Bergamo (2021), im Martin-Gropius-Bau, Berlin (2017), im S.M.A.K., Gent, sowie in der Pulitzer Foundation for the Arts, St. Louis, statt.
Dekyndts Werke befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter das Centre Pompidou, Paris; The Museum of Modern Art, New York; die Pinault Collection, Paris; das CNAP, Paris; das MUDAM, Luxemburg; die Albright-Knox Art Gallery, Buffalo; sowie die Kadist Collection, Paris.
Dekyndt lebt und arbeitet in Brüssel und Berlin.
