Seit über fünf Jahrzehnten zählt Candida Höfer (*1944, Eberswalde) zu den prägenden Positionen der zeitgenössischen Fotografie. Als eine der wegweisenden Künstlerinnen im Umfeld der Düsseldorfer Schule studierte sie von 1973 bis 1982 an der Kunstakademie Düsseldorf. Nach einer anfänglichen Ausrichtung auf den Film wechselte sie in die erste Fotografieklasse von Bernd Becher. 1975 hatte Höfer ihre erste Einzelausstellung in der Konrad Fischer Galerie, was den Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Galerie markierte.
Höfers Werk konzentriert sich auf architektonische Innenräume, die üblicherweise von intensiver menschlicher Nutzung geprägt sind, darunter Bibliotheken, Museen, Theater, Opernhäuser, Universitäten, Banken, zoologische Gärten und Wartesäle von Bahnhöfen. Anstatt diese Orte in ihrer tatsächlichen Nutzung darzustellen, fotografiert Höfer sie in Momenten, in denen sie leer sind oder zumindest menschenleer erscheinen.
Diese Entscheidung ist zentral für ihre künstlerische Sprache. Durch den bewussten Verzicht auf die Darstellung von Personen richtet sich der Blick auf die Strukturen, Proportionen, Materialien und Lichtverhältnisse der Räume selbst sowie auf die sozialen, kulturellen und historischen Ordnungen, die sie prägen. Die Abwesenheit von Menschen ist dabei keineswegs als Neutralisierung zu verstehen; vielmehr werden gerade dadurch die in der Architektur eingeschriebenen Funktionen, Hierarchien und Erwartungshaltungen sichtbar.
Candida Höfer stellte international in bedeutenden Institutionen aus, darunter das Museum of Modern Art, New York, die Kunsthalle Basel, das Museum Ludwig, Köln, das Kunsthaus Bregenz, das Städel Museum, Frankfurt am Main, sowie das Museum für Fotografie, Berlin. Sie nahm an der documenta 11 (2002) teil und vertrat Deutschland auf der 50. Biennale von Venedig. Im Jahr 2024 wurde sie mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste Berlin ausgezeichnet.
