Die Konrad Fischer Galerie freut sich, Juergen Staack (geb. 1978, lebt und arbeitet in Düsseldorf) mit seiner vierten Einzelausstellung zu präsentieren.
Ausgebildet als Fotograf und Meisterschüler von Thomas Ruff an der Kunstakademie Düsseldorf fokussiert Juergen Staack in seiner künstlerischen Arbeit das Verhältnis und die Transformationen von Sprache, Ton und Bild, sowie deren Fragilität und Vergänglichkeit.
Auf der Suche nach seltenen oder aussterbenden Sprachen bereiste er weite Teile der Welt, unter anderem Sibirien, die Alëuten, die Wüstengebiete Nordafrikas und Zentralasiens sowie den südamerikanischen Regenwald.
Die Bevölkerung und Sprache Papua Neuguineas, genauer die der Bewohner der ehemals deutschen Mission Vunapope sind Gegenstand seiner aktuellen Ausstellung „Unserdeutsch". „Entstanden ist Unserdeutsch zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen PapuaNeuguinea im Südpazifik, genauer: an der Zentralstation des katholischen Missionsordens der Herz-Jesu-Missionare (MSC) in Vunapope auf der Insel Neubritannien im noch heute so bezeichneten Bismarck-Archipel. (…) In Deutsch-Neuguinea entwickelte sich, wie ähnlich auch in anderen Kolonien, rasch ein regelrechtes Wettrennen unter verschiedenen katholischen wie evangelischen Missionsorden zur Bekehrung der sich vermeintlich nach Erlösung sehnenden „unzivilisierten Heiden". Der MSC-Orden unterhielt in Vunapope unter anderem ein Internat für ethnisch gemischte Halbwaisen - noch heute identifizieren sich die Sprecher:innen selbst stolz als Vunapope mixed-race Germans -, die dort (unter aus heutiger Perspektive durchaus fraglichen Umständen) christianisiert und auf Deutsch unterrichtet wurden. Parallel zum Erwerb des Deutschen in Wort und Schrift bildete sich unter den Kindern und Jugendlichen eine eigene Gruppensprache heraus: eben Unserdeutsch." — Siegwalt Lindenfelser
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein Konvolut aktueller Fotografien des Künstlers, historischen Fotomaterials und Dokumenten aus Papua-Neuguinea, deren Motive zunächst auf Sand gedruckt, dann einem Erosionsprozess ausgesetzt, sich im Laufe der Ausstellung verändern und schließlich ganz verschwinden. Portraits von „Unserdeutsch"-Sprecher:innen auf Kincsem-Film werden je nach Position der Betrachter:innen sichtbar und verschwinden wieder. In Vunapope entstandene Videos und Soundaufnahmen dokumentieren die historische Geschichte der Kreol-Sprache „Unserdeutsch".
Auf der oberen Galerie zeigt Juergen Staack weitere neue Foto-Arbeiten aus dem Kontext seiner Reise nach Papua-Neuguinea: traditionelle Masken aus Neubritannien wurden mit einem fotogrammetrischen Verfahren aufgenommen, digital codiert und anschließend auf Leinwand gedruckt. Jede Aufnahme der Serie „SKIN" repräsentiert die gesamte Oberfläche der jeweiligen Maske.
