Wir freuen uns „DIE WELT ERZÄHLT (ZWEIFACH, STERNFÖRMING)“, Harald Klingelhöllers neunte Einzelausstellung in unseren Berliner Räumen zu präsentieren. Der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe lehrende Bildhauer stellt seit 1983 kontinuierlich in der Konrad Fischer Galerie aus.
Den meisten Skulpturen Harald Klingelhöllers gehen sprachliche Formulierungen von Vorstellungen, Erinnerungen und Suggestionen voraus, die nach ihrer Verschriftlichung teilweise und wiederholt in diesen Skulpturen aufgehoben und an eine räumliche Erfahrung gebunden werden. Beispiele dieser immer wiederkehrenden abstrakten bis poetischen Textgebilde sind „ich bin hier, Du bist hier“, „In landscapes reacting to words“, „Das Meer bei Ebbe geträumt“ oder „Die Welt erzählt“, um nur einige aufzuzählen. Diese finden sich in der aktuellen Ausstellung in vier verschiedenen skulpturalen Ansätzen wieder: im „Sternförmigen“, dem „Schwebenden“, der „Schrankversion“ und dem „Echo“.
Die Sterne legt uns Klingelhöller quasi zu Füßen. Um die „Sternförmigen“ auf dem Boden halten zu können, bedient er sich massiver Metallprofile aus Kupfer, Messing oder Blei mit trapezförmigem Querschnitt. Bestimmt werden die Maße der oberen Ansichtsseiten der einzelnen Sternstrahlen durch Abmessungen der gedruckten titelgebenden Worte, ihre Anzahl durch die Form des zu bildenden Sternes, daher zum Beispiel „Die Welt erzählt (zweifach, sternförmig)“.
Ähnlich verhält es sich in der „Schrankversion“, deren Schubladenmaße den Titel gebenden Worten „The Floor was Grey and Everybody Brings his Questions“ abgenommen wurden.
Die „Schwebenden“ sind neue Konstellationen vorhergegangener „Schattenversionen“ im Werk des Künstlers. Klingelhöller verortet die in ihren Größen veränderten, vervielfachten und ins dreidimensional verformten Schattenrisse vorheriger Skulpturen in Raumelemente, deren Maßstab nur relativ bestimmbar ist. Sie ragen in diesen Konstellationen aus einer vergangenen Präsenz in einen fiktiven, zukünftigen Raum hinein - ein Spiel in und mit Zeitlichkeit und vielfacher Räumlichkeit.
Ebenso verhält es sich mit dem von der Decke bis zum Boden raumgreifenden „Echo“, welches dem akustischen Spektogramm einer vom Künstler gestellten Frage abgemessen wurde - das „Echo“ als ein Medium der Raumtiefe gibt in diesem Fall der Frage „Will you be there?“ eine räumliche Präsenz, einem imaginären „you“ an einem imaginären „there“.
„Wir haben es mit einer richtungslosen, dimensionslosen Ferne zu tuen, wenn wir heute mit unseren Skulpturen die Anwesenheit der Welt anrufen und wir erfahren, daß sie uns als etwas anderes entgegenkommt“*, um mit Harald Klingelhöllers eigenen Worten abzuschließen.
(*zitiert aus Beat Wismers Katalogtext für den Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, 2013)
