Zu den Gallery Weekend Discoveries im Rahmen der Berlin Art Week, freuen wir uns, K.R.M. Mooneys Ausstellung „Partials“ zu präsentieren.
Auf der Suche nach einer möglichst genauen Übersetzung des englischen Titels „Partials“ findet sich im Deutschen „Teile“, aber auch „Teil- oder Obertöne“. Die zweite Definition beschreibt das Thema von Mooneys Ausstellung sehr stimmig.
Abgüsse von Trompeten- und Oboenmundstücken ragen aus der Wand und wirken wie Aufforderungen, diese zu benutzen und zum Klingen zu bringen. Mooneys Interesse gilt dabei minimalen Differenzen, die das ungeschulte Auge nicht wahrnimmt. Die winzigste Variation in Krümmung, Maß und Formgebung verändert den Ton und erzeugt einen anderen musikalischen Charakter. Weitere Variablen werden bestimmt durch die Virtuosität des Musikers, aber auch Atmung und Temperatur erzeugen verschiedene „Teiltöne“.
K.R.M. Mooneys Objekte markieren unsichtbare, unsichere Zonen des Übergangs und thematisieren diese Zwischenräume. Den Moment, in dem der Atem des Interpreten auf das Mundstück trifft in all seiner Variabilität und eine vergängliche Beziehung zwischen Material, Körper und Raum geschaffen wird.
Auf Wunsch von K.R.M. Mooney ist parallel zu der Ausstellung eine mehrteilige Arbeit von Hanne Darboven installiert. Darboven, seit 1967 durch die Konrad Fischer Galerie vertreten, entwickelte ihr eigenes kalendarisches Rechensystem, das die 2009 verstorbene Künstlerin teilweise zu Musikstücken transkribieren ließ.
Mooney fand in der Recherche zu den Mundstücken der Blasinstrumente ein Äquivalent in Darbovens akribisch aufgeführten Variablen und Berechnungen und bindet eine der frühesten Postionen der Galerie in ihre eigene Discoveries-Präsentation.
„Die Ausstellung Partials bei Konrad Fischer besteht aus fünf Kunstwerken, darunter einer Serie von vier kleinformatigen Skulpturen aus versilbertem und vergoldetem Messing. Die Skulpturen sind in einer ähnlichen Abfolge an der Wand installiert und enthalten Metallteile, die von verschiedenen Holzblasinstrumenten stammen. Der Titel der Ausstellung Partials bezieht sich auf den Begriff "embouchure", den spezifischen Bereich: Mund, Lippen und Zähne.
Die Ausstellung als Ganzes beschäftigt sich mit dem Mund als physische Schwelle, als Ort erhöhter Körperlichkeit, Intimität, Lebenserhaltung und als Ort der Bedeutung und Beschreibung. Jede Skulptur wurde unter Berücksichtigung der Position und der Körperphysiologie entworfen und stellt das dazugehörige Teil - das Mundstück des Instruments - in den Mittelpunkt. Diese Objekte ermöglichen das Erzeugen von Klang durch die Projektion eines turbulenten, aber kontinuierlichen Luftstroms durch den Mund des Spielers und verweisen auf einen Luftweg und eine Bewegungsrichtung.
Die Formen funktionieren als Zitate der Anatomie, die sich in den Informationen widerspiegeln, die durch ihre Verwendung bestimmt werden, auf ihrer Oberfläche eingraviert sind und durch ihre Rekonstruktion und Darstellung offengelegt werden. In Bezug auf den Luftstrom suggeriert der innere Kanal, der sich in jeder Form offenbart, eine Entleerung, einen Ort des Zugangs oder der KONRAD FISCHER GALERIE Evakuierung, der einen Pfad der Bewegung bietet, seien es gasförmige und flüssige Substanzen oder die wahrnehmende und physische Schnittstelle des Betrachters. Die chronologisch betitelten Werke sind durch Wiederherstellung und Zerschneiden auf die Orientierung des Betrachters ausgerichtet, während sie gleichzeitig die Fähigkeit der Legierung erfordern, sich zusammenzufügen, zu zerbrechen und wieder zusammenzufügen. Indem sie sowohl eine Abstammung als auch eine Logik aufweisen, die mit jeder anfänglichen Form, Abmessung, Kontur, Gestalt und Oberfläche zusammenhängt, drücken kleine Variablen eine große Bandbreite an immateriellen und intonatorischen Effekten aus.
"Die Arbeit Citation ist eine Installation, die eine Türschwelle oder einen Durchgang wie eine Türöffnung als Befestigung nutzt. Die Trittschutzblende selbst ist ein Fundstück, ein rechteckiges Stück Messing, das im Laufe der Zeit patiniert und oxidiert. Der Türstock hat eine schützende Funktion, seine Oberfläche ist eine Ansammlung von Kontaktpunkten. Die grüne Färbung dieses bestimmten Elements ist eine Art Patina, die auf natürliche Weise auf Messing und Kupfer entsteht und sich durch Feuchtigkeit, Salz und andere angesammelte atmosphärische Verbindungen bildet.Fokussiert auf diesen Prozess, sind die Arbeiten in Partials durch die Legierung und die Geschichte jedes Ausgangsobjekts als erleichternde Bewegung verbunden, sei es Luft oder Atem, Gänge oder Verbindungen zwischen Räumen.“
K.R.M. Mooney
K.R.M. Mooney (*1990 in Seattle, USA) lebt und arbeitet in San Francisco und ist dem deutschsprachigen Museumsbesucher bereits in den Kunst-Werken, Berlin oder in der ersten europäischen institutionellen Einzelpräsentation im Kunstverein Braunschweig begegnet.
Nach einem Studium am Central Saint Martins, London und am California College of the Arts, San Francisco wurden Mooneys Arbeiten in Einzelausstellungen im Rahmen der SECA Art Awards im San Francisco Museum of Modern Art (2017), im Pied-à-terre, Ottsville und auch im Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco (beides 2015) vorgestellt. Mooneys Werke wurden unter anderem in Gruppenausstellungen in den Kunst-Werken Berlin (2017), in der White Flag Project Library, St. Louis, im Futura Centre for Contemporary Art, Prag und in den Galerie Altman Siegel (2016) und Hester, New York (2015) gezeigt.
K.R.M. Mooney
Vergangen exhibition
