Die Konrad Fischer Galerie freut sich, Jim Lambie: High Voltage zu präsentieren – die erste Ausstellung des Jahres 2026 und die dritte Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie seit seiner Aufnahme in das Programm im Jahr 2004. Verwurzelt in der Transformation gefundener und wiederverwendeter Materialien, reflektiert Jim Lambies Praxis eine langjährige Beziehung zu Musik und Farbe, geprägt durch seine frühen Jahre als Musiker, ebenso wie durch Themen von Raum und Licht. Seine Installationen fordern die Betrachtenden dazu auf, ihre Wahrnehmung und ihr Erleben der Umgebung neu zu justieren. In diesem dynamischen Zusammenspiel von Ideen und einer erfinderischen wie zugleich stringenten Forschungslinie schafft Lambie Erfahrungen, die häufig einen geradezu enthüllenden Charakter haben.
Der Ausstellungstitel „High Voltage“ ist eine indirekte Anspielung auf die frühere Nutzung des Galeriebäudes als Umspannwerk. Über zwei Etagen angelegt, macht die Ausstellung Lambies Sensibilität für die architektonischen Räume deutlich, in denen seine Arbeiten gezeigt werden.
Im ersten Obergeschoss führt eine neue Iteration des ikonischen, mit Vinylband beklebten Zobop-Bodens ein chromatisches Feld ein, in dem reflektierende Chrom- und weiße Streifen – skaliert auf die Breite der tragenden Balken des Gebäudes – die Architektur des Raumes von den äußeren Rändern nach innen nachzeichnen und sich strahlenförmig über den Boden ausbreiten. An der Rückwand präsentiert Lambie ein Kartoffelsack-Gemälde, das Malerei als Schwelle neu fasst. Papiersäcke für Kartoffeln, in unterschiedlichem Maß mit expandierendem Schaum gefüllt, werden bemalt und auf einer weißen Leinwand montiert; sie treten in den Raum über und ragen plastisch in ihn hinein.
Im Kontrast dazu bleibt das zweite Obergeschoss ungeschmückt: ein architektonischer „Aus-Zustand“, der einen bewussten Gegenpol zur aktivierten Installation darunter bildet. Dieses Oszillieren zwischen Aktivierung und Pause, Präsenz und Abwesenheit, verstärkt Lambies anhaltendes Interesse an Wahrnehmung, Rhythmus und dem latenten Potenzial von Material und Raum.
Weitere Arbeiten der Ausstellung führen diese materiellen und wahrnehmungsbezogenen Fragestellungen fort. Ausgehend von urbanen Beobachtungen – sich ablösenden Plakaten und Flyern an Stadtwänden – eröffnen Lambies fortlaufende Metal Box-Arbeiten ein weiteres Register nachhaltiger Experimentierpraxis. Hinzu kommen Werke aus wiederverwendeten Brillengläsern, die mit Bleiruten verbunden sind und Farbe und Licht mit lebhafter Intensität brechen. Zusammen bilden diese Arbeiten Konstellationen, die sichtbar machen, wo Licht und Farbe verortet sind: in Objekten, auf Oberflächen und in den räumlichen Umgebungen, die sie miteinander verbinden.
Die Ausstellung umfasst zudem eine Live-Performance von Michael Clark, realisiert mit vier Tänzer:innen und präsentiert am Eröffnungsabend. Clarks Arbeit bringt Bewegung, Präsenz und körperliche Intensität in den Ausstellungsraum und erweitert dessen räumliche Fragestellungen durch verkörperte Praxis und die gemeinsame Erfahrung des Zusammenseins im Raum.
Jim Lambie wurde 1964 in Schottland geboren. Er wurde 2005 für den Turner Prize nominiert und vertrat Schottland bei der 50. Biennale von Venedig im Jahr 2003. Seine erste umfassende Künstler:innenmonografie erschien im Frühjahr 2017 bei Rizzoli, New York. Er lebt und arbeitet in Glasgow.
Zu den ausgewählten Einzelausstellungen zählen: Jim Lambie: Zobop (Color-Chrome), Vancouver Art Gallery (2025–26); Hot Foam, The Modern Institute, Glasgow (2025); Concrete Sphinx, Oscaar Mouligne, Kyoto (2024); Spiral Scratch, Pacific Place, Hongkong (2018); La scala, Gerhardsen Gerner, Berlin (2016); Sun Rise, Sun Ra, Sunset, Rat Hole Gallery, Tokio (2015); Fruitmarket Gallery, Edinburgh (2014); Unknown Pleasures, Hara Museum of Contemporary Art, Tokio (2008); Forever Changes, Glasgow Museum of Modern Art, Glasgow (2008); RSVP: Jim Lambie, Museum of Fine Arts, Boston (2008); sowie Directions – Jim Lambie, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C. (2006).
Ausgewählte Gruppenausstellungen umfassen u. a.: You have to see it, Fundación Juan March, Madrid (2025); The Mirror of Production, Kunsthall Oslo, Oslo (2022); My Mapping, Fondation van Gogh Museum, Arles (2020); Op Art in Focus, Tate Liverpool, Liverpool (2018); I still believe in miracles, Inverleith House, Edinburgh (2016); You Imagine What You Desire, 19. Biennale von Sydney, Sydney (2014); Undone: Making and Unmaking in Contemporary Sculpture, Henry Moore Institute, Leeds (2010); The New Décor, Hayward Gallery, London (2010); Color Chart: Reinventing Color, 1950 to Today, Tate Liverpool, Liverpool (2009) und MoMA, New York (2008); sowie Unmonumental: The Object in the 21st Century, New Museum, New York (2007).
