manuel arturo abreu, Eva Barto, Bill Bollinger, stanley brouwn, Tony Chrenka, Edith Dekyndt, Jan Dibbets, Nöle Giulini, K.R.M. Mooney, Brandon Ndife, Winona Sloane Odette, S*an D. Henry-Smith, Ricardo Valentim, Jessica Vaughn

 

esprit beschäftigt sich mit Zonen der Übertragung und präsentiert Werke, die sich den Kontingenzen des Galerieraums und einem Bewusstsein für den Ort anpassen und sie beleben.
Die Geschichte der Konrad Fischer Galerie, die Knotenpunkte über Generationen hinweg aufgreift, bietet ein Fundament und einen konzeptionellen Rahmen, in dem esprit die oszillierenden Register und dauerhaften Bindungen in der Skulptur und den Bestrebungen des Konzeptualismus näher bringt.
 
- ( K.R.M. Mooney )


Für unsere aktuelle Ausstellung hat die Konrad Fischer Galerie den US-amerikanischen Künstler K.R.M. Mooney mit der Bitte eingeladen, für die Galerie eine Gruppenausstellung mit jüngeren künstlerischen Positionen aus seinem Umfeld zu konzipieren. Überraschenderweise hat uns Mooney mit der Idee konfrontiert, nicht nur amerikanische und internationale Künstlerinnen, sondern auch schon eher historisch zu nennende Positionen aus der Geschichte der Galerie und neuere Arbeiten von Künstler*innen der Galerie einzubeziehen. Wir haben dieser Bitte gern entsprochen und Werke von Jan Dibbets, Edith Dekyndt, stanley brouwn und Bill Bollinger in die Ausstellung integriert.

 

K.R.M. Mooney selbst, dessen Arbeiten die Konrad Fischer Galerie Berlin bereits im Kontext der Gallery Weekend Discoveries 2021 in Kombination mit einer von ihm ausgewählten Arbeit von Hanne Darboven zeigte, präsentiert in Düsseldorf neben eigenen, neuen Werken auch Arbeiten der französischen Künstlerin Eva Barto (Jg. 1987, Paris). Neben verlegerischen Projekten (Buttonwood.Press) und Lehrtätigkeiten an der École des Beaux-Arts Lyon hat sie das Kunst-Projekt The Lure of the Lock / The Credit Prank initiiert, das um die Themen Wert, Besitz und Eigentum kreist und in dessen Kontext die Galerie angefragt wurde, ein Objekt aus ihrem Besitz in einem lokalen Pfandleihhaus zu beleihen.

 

Die amerikanische Künstlerin Jessica Vaughn (Jg. 1983, Chicago), in Düsseldorf bereits durch ihre Einzelausstellung im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen bekannt, präsentiert Arbeiten aus ihrer Serie The Internet of Things, in der die Künstlerin Briefe an Orte adressierte, die mit Freizeitgestaltung, Verkauf und Handel (Disney World, Prospect Park, Silicon Valley, Shopping Malls) assoziiert werden oder auch an Areale, in denen sich Gewaltverbrechen ereignet haben. Die unzustellbaren Briefe werden mit allen Spuren des Postwegs an die Künstlerin retourniert. Desgleichen arbeitet Jessica Vaughn mit skulptural anmutenden, seriell gefertigten Relikten aus dem Kontext von Verkaufsdisplays und den austauschbaren Möbeln aus Büro- und Verwaltungsetagen.

 

In der ersten Etage treffen diese Arbeiten auf die filigran aus Silber, Messing und Neodym gefertigten Miniaturen von K.R.M. Mooney und markieren so einen Gegensatz, der größer nicht sein könnte. Hier findet sich auch das Motiv der Einladungskarte, eine Fotografie von S*an D. Henry-Smith (Jg. 1993, New York) mit dem Titel engraved, einer labyrinthartigen Struktur an einem Sandstrand, elaboriert, auf eigenartige Weise mystisch, anonym, sich einer Zuordnung entziehend.

 

Im Raum links nebenan sehen die Betrachter*innen die gleichsam überaus filigranen, in situ ausgeführten Wandmalereien („wall treatments“) von Tony Chrenka (Jg. 1992, Minneapolis), eingebettet zwischen zwei überaus unterschiedliche Schnitte in den Raum: das Graphite Piece (1969) von Bill Bollinger, einer Graphitschüttung auf dem Boden der Galerie mit deutlichen Schmutzspuren der Installation und dem Tollebeek Window von Jan Dibbets, einem fotografischen Fensterausschnitt, der die perspektivische Ausrichtung des Ausstellungsraums auf eigenartige Weise konterkariert. Die reliefartigen Wandstrukturen von Tony Chrenka werden mittels Schablonen (Gitarrenhälse) in stetiger Wiederholung und doch kaum wahrnehmbar Schicht für Schicht auf die Wand aufgebracht.

 

In der zweiten Etage werden die Besucher*innen mit einer voluminösen Installation von Bill Bollinger konfrontiert: Cyclone Fence (1969) wirbelt elegant einen einfachen, handelsüblichen Maschendrahtzaun durch den Raum. Auf einem Sockel und an der Wand platziert sehen wir die kleinformatigen, skulpturalen Arbeiten der deutschen, in Kalifornien lebenden Künstlerin und praktizierenden Yoga-Lehrerin Nöle Giulini. Die Künstlerin verwendet hierfür ein in diesem Genre eher ungewöhnliches Ausgangsmaterial, das sie selbst in aufwändigen Verfahren herstellt: Kombucha. Ungewöhnlich auch die Materialien, mit denen die Künstlerin eine aufgeschnittene Spule zum „Aufblühen“ bewegt und anschließend fixiert: Harze basierend auf Dammar, Myrrhe, Weihrauch und Bienenwachs. manuel arturo abreu (Jg. 1991), ein in den USA lebender Künstler, Dichter, Kurator und Kritiker mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik, dessen performatives lecture-Video zur Idee eines Gegenmodells zur westlich geprägten Kunstgeschichtsschreibung den Besucher*innen bereits im Treppenhaus begegnet ist, zeigt in der zweiten Etage seine Skulptur kanga book, ein von Nägeln perforiertes Buch. Auf dem Boden befindet sich K.R.M. Mooneys Skulptur c.i. (april 11), eine aus Bronze und Alabaster bestehende, an einen Raketenrucksack erinnernde Struktur.

 

Der portugiesische Künstler Ricardo Valentim (Jg. 1978), ausgebildet an der School of Visual Arts in New York, arbeitet mit unterschiedlichsten Medien, die von Fotografie und Film bis zu performative lectures reichen. Dabei zirkeln seine Arbeiten immer im die Mechanismen der Kulturproduktion und die Konstruktion von Identitäten. Für unsere Ausstellung hat Ricardo Valentim historische und aktuelle Einladungskarten und Programme zu Ausstellungen zu einer Wandarbeit vereinigt. Den aufmerksamen Besucher*innen begegnet im Treppenhaus noch eine Gemeinschaftsarbeit von K.R.M. Mooney und Winona Sloane Odette (Jg. 1998, New York), gefertigt aus Bronze und Wachs.

 

Im Vorderhaus treffen wiederum die Arbeiten von Ricardo Valentim, in diesem Fall bezogen auf die Geschichte der Konrad Fischer Galerie und die Arbeiten von K.R.M. Mooney auf eine Wandarbeit von Mooney selbst, gefertigt aus galvanisiertem Stahl, Silber und Sepiaschale. Die totemartige Skulptur des New Yorker Künstlers Brandon Ndife (Jg. 1991, Hammond, Indiana) vereinigt ein Ensemble von Readymades bestehend aus Möbelteilen, Haushaltsgegenständen, Zimmerpflanzen und Verpackungsmaterialien, aufgesockelt auf ein mit Teppichresten ummanteltes Podest. Die so entstandene Assemblage, betitelt A Place to Congregate, oszillierend zwischen Verfall und Wildwuchs, steht vor einer Serie von Wandarbeiten der belgischen Künstlerin Edith Dekyndt (Jg. 1960, Ypern), den Winter Drums, auf massive Rahmen wie bei einer Trommel gespannte Seidenstoffe, ausgepolstert und mit eingefärbtem Kunstharz überzogen.

 

In diesem Raum befindet sich ebenfalls eine Boden-Skulptur von Edith Dekyndt, die aus einem ‚schwitzenden‘ weil mittels einer Heizmatte erwärmten Glaskasten besteht, der auf einer am Boden liegenden alten Tür steht. Dieses ausrangierte Objekt war – wie gebrauchte Kühlschränke oder  – für den Transport vom Hamburger Hafen in den globalen Süden bestimmt. Die Ästhetik der Arbeit steht vor diesem Hintergrund in starkem Kontrast zu ihrem poetischen Titel, den Dekyndt wieder bei einer historischen Quelle entleiht: dem Auftrag an den Künstler Johann Martin von Rohden, der 1820 eine Ideallandschaft des Südens malen sollte: Die südliche Natur in ihrer üppigen und majestätischen Pracht, das Gegenstück zu Caspar David Friedrichs Das Eismeer, die Ideallandschaft des Nordens. Mooney hat dieser Arbeit eine Fotografie von S*an D. Henry-Smith an die Seite gestellt what mosses (2022), eine nicht genau zu definierende, von Moosen und Flechten bewachsene Struktur in einer Graslandschaft.

 

Die Künstlerbücher von stanley brouwn und eine weitere Fotoarbeit von Ricardo Valentim mit Bezug auf eine Arbeit von Louise Lawler und eine zerlegte Bleistiftspitzer-Skulptur von manuel arturo abreu beschließen die Ausstellung im Vorderhaus und im Büro der Galerie.

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K.R.M. Mooney (*1990 in Seattle, USA) lebt und arbeitet in New York und ist dem deutschsprachigen Museumsbesucher bereits im KW Institute for Contemporary Art, Berlin oder in der ersten europäischen institutionellen Einzelpräsentation im Kunstverein Braunschweig begegnet.

 

Nach einem Studium am Central Saint Martins, London und am California College of the Arts, San Francisco wurden Mooneys Arbeiten in Einzelausstellungen im Rahmen der SECA Art Awards im San Francisco Museum of Modern Art (2017), im Pied-à-terre, Ottsville und auch im Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco (beides 2015) vorgestellt. Mooneys Werke wurden unter anderem in Gruppenausstellungen in den KW Kunst-Werken Berlin (2017), in der White Flag Project Library, St. Louis, im Futura Centre for Contemporary Art, Prag und in den Galerie Altman Siegel (2016) und Hester, New York (2015) gezeigt.