Die Konrad Fischer Galerie freut sich, mit „SEE“ die zweite Einzelausstellung des in Düsseldorf lebenden Künstlers Paul Czerlitzki (1986 in Gdansk geb.) präsentieren zu dürfen.
In seiner Malerei geht Paul Czerlitzki einen Schritt hinter die Frage zurück, welche Farbe in welchen Konstellationen auf einem aufnahmefähigen Grund zu verteilen ist. Farbigkeit und Duktus, Abstraktion oder Figuration sind kein Gegenstand des primären Interesses. Czerlitzki macht Malerei, bevor er anfängt zu malen. Anscheinend geht es darum, mit etwas möglichst Einfachem zu tun zu haben. Dieses Einfache ist Farbe (farbiges Material) auf einem Bildträger (Leinwand). Doch damit ist von vornherein ein Anderes im Spiel; grundlegend ist ein ursprünglicher Bruch im Innern der Malerei. Die Malerei inszeniert die Aufspaltung ihrer Einfachheit und öffnet damit ein Feld möglicher Deplatzierungen. Es kommt darauf an, die voneinander losgehakten Elemente des malerischen Dispositivs abweichend zu konfigurieren. Nicht irgendwie, sondern als Berührung, durch Berührung, einen Umgang aus der Nähe. Das Vorgehen ist methodisch, organisiert in verschiedenen Bildserien. Einen geplanten Prozess auszuführen, die Mechanisierung der Praxis, entlastet vom Zwang zu spontaner Subjektivität. Subjektivität ist nachträglich; sie tritt als Effekt eines Ergebnisses hervor. (Ulrich Loock)
Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der Künstler in seiner Serie „Untitled“ mit der Wirkung monochromer Tafelbilder. „See“ - Sehen - meint hier auch ein Wiedersehen mit den frühen, vor Jahren begonnenen Werken, die nach dem gleichen Konzept entstanden sind. Auf eine grundierte Leinwand wird eine zweite unbehandelte Leinwand gespannt, diese dann mit Acrylfarbe (hier Grau-, Schwarz- und Silbertöne) durchmalt, sodass sich auf der unteren Leinwand ein nicht vollständig kontrollierbarer Farbschleier unterschiedlicher Intensität zeigt, im wahren Wortsinne „abbildet“. Das teils recht unregelmäßig strukturierte Leinengewebe erzeugt ein Negativ, ein Echo der entfernten Leinwand, Anwesenheit und Abwesenheit zugleich.
Mit seiner Serie „DELAY“ (seit 2019) dokumentiert der Künstler den Arbeitsschritt vor den Werken der „Untitled“-Serie. Die für das Durchmalen genutzte Leinwand wird auf der darunter liegenden Leinwand belassen. Unter einem „DELAY“ befindet sich also ein weiteres mögliches „Untitled“. Auf den monochrom schwarzen oder roten Leinwänden werden Spuren des Handlings sichtbar: Fingerabdrücke, durch das Spannen der Leinwand entstandene Spuren, kaum sichtbare Abdrücke von Gegenständen, die deutlicher Kontur annehmen, je länger der Betrachter sich den Arbeiten widmet.
Die Arbeiten der Werkserie „RELAY“ entstehen seit 2019 und setzen frühere Arbeiten des gleichen Konzepts fort: weiß grundierte Leinwände werden über mehrere Monate und teils über mehr als ein Jahr hinweg auf den Boden des Studios gelegt. Bei der Arbeit an den Werkgruppen, die häufig mittels Kompressor ausgeführt werden, schweben Farbpigmente durch die Raumluft, die sich nach einer gewissen Zeit auf der Leinwand ablagern. Die entstehenden Bildoberflächen sind nicht fixiert und in ihrer Offenheit verletzlich. Veränderungen durch Transport, Handling und Verpackung, durch Berührungen oder Erschütterungen werden bewußt in Kauf genommen, hinterlassen Spuren, schreiben sich in die „Biographie“ des Bildes ein. Die Bilder öffnen sich zum Raum und zum Betrachter.
Arbeiten des Künstlers befinden sich u.a. in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, im Kunstmuseum Bonn, der Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, in der Kadist Foundation und der Collection Ricard, Paris, der Collection Billarant Le Silo, Marines, in der Fondation CAB in Brüssel, der Sammlung Philara, Düsseldorf und der Sammlung der G2 Kunsthalle in Leipzig. Zur Ausstellung „SEE“ und zu den neueren Arbeiten des Künstlers erscheint im Sommer 2021 ein Katalog im DISTANZ Verlag, unterstützt vom Programm NEUSTART KULTUR der Stiftung Kunstfonds, Bonn.
Mit freundlicher Unterstützung durch
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