Hanne Darboven (1941 - 2009)
Konstruktionszeichnungen (1966/67)
Die ersten Konstruktionszeichnungen entstehen während Hanne Darbovens Aufenthalt in New York, wo die Künstlerin u.a. auch Carl Andre und Sol Lewitt kennenlernt. Auf Kästchen- oder Millimeterpapier werden mit Bleistift und teils auch mit Kugelschreiber geometrische Konstruktionen nach einem vorab festgelegten Schema gezeichnet. Mit diesen Zahlenkonstruktionen versucht Hanne Darboven, einen „Konstruktivismus jenseits der Malerei“ zu etablieren, Lucy Lippard wird sie später als „Permutational Drawings“ beschreiben: ein komplexes System, bestehend aus achsen- und diagonalsymmetrischen Linien, die Zahlen, Zahlenfolgen und Quersummen repräsentieren und so einen eigenständigen Beitrag zur gerade im Entstehen begriffenen amerikanischen Konzeptkunst definieren. Eine Weiterentwicklung der Konstruktionen stellt Konrad Fischer 1967 zusammen mit den Elementen Serie DW von Charlotte Posenenske erstmals in Deutschland aus.
Parallel zu den Konstruktionszeichnungen zeigen wir die Arbeit Querschnitte (1984), bestehend aus 174 Tafeln auf die jeweils 12 mit Filzstift beschriftete Postkarten montiert sind. In den Quer- schnitten fließen neben Zahl, Serie, Handlung und Konstruktion zwei weitere Dimensionen in die Arbeit ein: Zeit und Musik. Die Quersummen der Tagesdaten eines Jahres werden aufgeführt und parallel in eine eigene Notation „übersetzt“.
Charlotte Posenenske (1930 - 1985)
Elemente Serie B (1967 - heute)
Nachdem Charlotte Posenenske bereits seit 1964 die Arbeit mit Sprühfarben begann (Spritzpistole auf Hartfaser oder Papier), entstehen im Folgejahr erste Faltungen aus Papier und Aluminium, deren Oberflächen erneut mit Sprühfarben - teils mit linearen brushes, teils vollständig - überzogen werden. Die 1966 entstandene Diagonale Faltung stellt das erste seriell konzipierte Wandobjekt der Künstlerin dar. Eine Erweiterung erfährt dieses Konzept mit den Elementen der Serien A (1966) und B (1967). Dabei existieren von Serie A lediglich Einzelobjekte und Prototypen. Erst Serie B wird als reproduzierbares, serielles Objekt angelegt und in 4 RAL Farben (Rot, Gelb, Blau, Schwarz) und in fünf verschiedenen Faltungen bzw. Wölbungen (konkav und konvex) produziert. Dem Willen der Künstlerin folgend sollen die Objekte möglichst einfach seriell hergestellt, von den „Konsumenten“ (Sammlern, Kuratoren) frei kombiniert (Diptychon, Triptychon, Reihung, Wand- oder Bodenobjekt) und möglichst preisgünstig hergestellt und vertrieben werden. Einer Idee von Dr. Burkhard Brunn folgend, wurden für unsere Ausstellung Elemente jeweils gleicher Farben kombiniert, die sich in horizontaler Reihung scheinbar endlos fortsetzen ließen.
Merrill Wagner (geb. 1935)
Acryl auf Leinwand (1967 - 1976)
Unmittelbar nach ihrem Studium an der Art Students League in New York, 1964, beginnt Merrill Wagner ihre Arbeit mit abstrakten geometrischen Formen (Kreisen, Rechtecken, Linien) auf Leinwand. Monochrome Flächen in einigen wenigen Grundfarben (Rot, Blau und Schwarz) dominieren die großformatigen Leinwände und erinnern teils an die etwa zeitgleich entstandenen Abstraktionen von Ad Reinhardt oder Carmen Herrera, eine Nähe zu den Arbeiten von Agnes Martin, Brice Marden, Frank Stella und Ellsworth Kelly darf angenommen werden. Dennoch entwickelt die Künstlerin Mitte der 1960er Jahre ganz eigenständige abstrakte Bilder mit monochromen grünen, blauen und ockerfarbenen Flächen, die man durchaus als Landschaften ansprechen kann und die ab den 1970er Jahren auch in andere Materialien (Klebeband, Plexiglas, Schiefer, Stahl, Stein) überführt werden. Das vielfältige Oeuvre verbindet scheinbar spielerisch und harmonisch Dimensionen von Zeit und Verfall, Konzept, Ordnung und Zufall, Poesie, Farbe und Material.
