Die Konrad Fischer Galerie Düsseldorf freut sich, die elfte Einzelausstellung von Tony Cragg, einem der bedeutendsten und international renommiertesten Künstler und Bildhauer unserer Zeit, anzukündigen.
Tony Cragg bezeichnet sich selbst als „radikalen Materialisten" und lässt sich von Biologie, Chemie und Physik inspirieren, um die Rolle der Bildhauerei in der Gegenwart kritisch zu überdenken und ihre zukünftigen Potenziale zu ergründen. Wie der Autor und Kurator Jon Wood - Herausgeber des Sculpture Journal vom Henry Moore Institute in Leeds - bemerkt, wurzelt Craggs Praxis in dieser wissenschaftlichen Neugierde. Für Cragg stellt die Bildhauerei „eine aktive Form der Befragung der Welt dar und wirkt als Katalysator für die Sensibilisierung ihr gegenüber". In seiner Arbeit erforscht Tony Cragg die einzigartigen Eigenschaften von Bronze, Stein, Edelstahl und Corten-Stahl, von Holz, Glas und synthetischen Werkstoffen - praktisch das gesamte Materialspektrum, welches der Bildhauerei zur Verfügung steht.
Ausgehend von diesen facettenreichen Materialkonzepten betrachtet Tony Cragg sein künstlerisches Schaffen als stete Suche nach neuen Formen, die jeweils neue Bedeutungen hervorbringen, Emotionen wecken und damit unserer von industrieller Standardisierung geprägten Formenwelt bisher Ungesehenes und Unbekanntes hinzufügen können. Natürliche Formen - ob aus der menschlichen Physiognomie entnommen oder aus der Geologie oder auch von kleinsten Strukturen, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind - bilden hier die Quellen für seine künstlerische Inspiration.
Im ersten Obergeschoss präsentieren wir Skulpturen aus der neuen Werkserie Stand, gefertigt aus Corten-Stahl und Bronze, an der Tony Cragg bereits seit 2023 arbeitet und die unserer Ausstellung den Titel gab. Auf drei Punkten oder Füßen stehend, wirken die voluminösen Skulpturen, wie Jon Wood bemerkt, als handele es sich hier um aufmerksam beobachtende Wächterfiguren, die das Publikum zu beobachten scheinen.
Die fein und rhythmisch strukturierte Skulptur REM aus hochglanzpoliertem Edelstahl ist Teil der neuen Serie „Dream Sleepers". Die Anspielung auf das REM (Rapid Eye Movement), die unwillkürliche Augenbewegung, die bei schlafenden Menschen auch bei geschlossenen Augen auftritt und für hohe Gehirnaktivität und tiefe Traumphasen charakteristisch ist, lässt sich leicht mit den schnell wandernden Blicken der Besucher*innen auf der reflektierenden Oberfläche der Skulptur und ihren zahlreichen Verzweigungen nachvollziehen.
Die ebenfalls neue Werkgruppe Incidents im zweiten Obergeschoss knüpft an frühere Arbeiten, etwa jene aus der Serie „Hedges", aber auch Werke der Serie „Stand" an, erinnert jedoch mit ihrer biomorph anmutenden und rhythmisch-geometrischen Gestalt auch an das formale Repertoire der Skulpturen und Gemälde von Hans Arp, Isamu Noguchi, von Tanguy, Miró und Brancusi. Die beinahe schwebenden Skulpturen aus Corten- und Edelstahl stehen direkt auf dem Boden elegant auf drei Punkten ausbalanciert und wirken, als befänden sich die Materialien noch im Fluss.
Tony Cragg (geb. 1949 in Liverpool, Großbritannien) lebt und arbeitet seit 1977 in Wuppertal. Nach seiner künstlerischen Ausbildung am Royal College of Art war er Professor und später Präsident der Kunstakademie Düsseldorf. Der Gewinner des Turner-Preises 1988 stellte 1979 erstmals solo in der Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf aus und startete sofort eine internationale Karriere, wobei seine Werke in verschiedenen öffentlichen Räumen und internationalen Museen zu sehen waren.
Tony Cragg hat, unter anderem, in den folgenden Museen und Institutionen ausgestellt: MOMAD Museum of Modern Art, Dubrovnik, Kroatien (2025); Skulpturengarten Spanischer Turm, Darmstadt, Deutschland (2025); Terme di Diocleziano, Museo Nazionale Romano, Rom, Italien (2024); Castle Howard, York, Großbritannien (2024), Kunstpalast, Düsseldorf (2024); Albertina Museum, Wien, Österreich (2022); Houghton Hall, Norfolk, Großbritannien (2021); Istanbul Modern, Istanbul, Türkei (2018); Yorkshire Sculpture Park, Großbritannien (2017); Nationalmuseum Havanna, Kuba (2017); MUDAM, Luxemburg (2017); Wroclaw Contemporary Art Museum, Wroclaw, Polen (2017); Staatliches Eremitage-Museum, St. Petersburg, Russland (2016); Von der Heydt Museum, Wuppertal, Deutschland (2016); Heydar Aliyev Centre, Baku, Aserbaidschan (2014); Musée d'art moderne de Saint-Étienne, Saint-Étienne, Frankreich (2014); National Taiwan Museum of Fine Arts, Taichung, Taiwan (2013); CAFA Museum, Peking, China (2012); Musée du Louvre, Paris, Frankreich (2011); Scottish National Gallery, Edinburgh, Großbritannien (2011) und Nasher Sculpture Center, Dallas, Texas, USA (2011). Er vertrat Großbritannien 1988 auf der Biennale in Venedig und wurde 1994 zum Mitglied der Royal Academy gewählt. Tony Cragg erhielt den Praemium Imperiale für Skulptur, Tokio, Japan (2007), wurde mit dem Verdienstorden erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland (2012) ausgezeichnet und 2016 zum Knight Bachelor ernannt.
Derzeit wird im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal die Ausstellung „Line of Thought" von Tony Cragg gezeigt, die neben zahlreichen Skulpturen im Park drei Pavillons mit Skulpturen des Künstlers in Bronze, Edelstahl und Corten-Stahl, Holz und Muranoglas sowie eine Auswahl seiner Zeichnungen umfasst. Der begleitende umfangreiche Katalog wurde von Jon Wood herausgegeben und ist im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln, erschienen. Die Ausstellung wird bis zum 1. Januar 2026 zu sehen sein.
Fotos © Achim Kukulies
