Erstmals präsentiert die Konrad Fischer Galerie an beiden Standorten gleichzeitig 'Wall Drawings' von
Sol LeWitt. Während in Düsseldorf farbige Wandarbeiten zu sehen sind, präsentiert Konrad Fischer
Galerie Berlin schwarz-weiße Wandarbeiten. Beide Orte zeigen ebenfalls eine Auswahl an Gouachen
aus der Schaffenszeit von 1993 bis 2005.
Sol LeWitt hatte seine eigentliche künstlerische Arbeit zu Beginn der 60er Jahre mit modularen und
seriellen Konstruktionen begonnen. Repetition und Progression einfacher dreidimensionaler
Geometrien wurden eingesetzt, um die Arbeit auf ein rationales Fundament zu stellen, sie
nachvollziehbar und wiederholbar zu machen; es ging darum, den unvermeidlichen Illusionismus der
malerisch bearbeiteten Fläche aufzulösen und sich gleichzeitig deren implizitem Anspruch auf die
Einzigartigkeit des handwerklich ausgeführten Werkes zu widersetzen.
Später entwickelte LeWitt das Medium der Wandzeichnung als Möglichkeit, trotz der Rückkehr zur
Fläche die Probleme der Malerei zu vermeiden: Es wurde der Bildträger ausgeschlossen, der
gewöhnlich zwischen der Ausstellungswand und den künstlerischen Markierungen liegt und diese in
einen eigenen, idealen Raum versetzt. Umgekehrt sollten sich die gezeichneten Spuren nicht von der
Wand abheben, sondern visuell mit ihr zu einer Einheit werden.
Gemäß seinem eigenen Verständnis gelingt es LeWitt, mit den Wandzeichnungen eine ganze Reihe
von Problemen bisheriger Kunst, insbesondere bisheriger Malerei zu lösen und sich selbst ein weites
neues Arbeitsfeld zu erschließen. Er geht dem Illusionismus, der Expressivität und der Narrativität von
Malerei aus dem Weg; er schließt Momente der Wahrnehmung von der Produktion einer Arbeit aus,
verneint die Bedeutung der künstlerischen Ausführung und überlässt die Realisierung einer Arbeit
anderen, ohne damit die eigene Position des „Autors“ in Frage zu stellen.
In der Konrad Fischer Galerie Düsseldorf werden die Wandzeichnungen #317, #319, #322 und #622
zu sehen sein. Konrad Fischer Galerie Berlin zeigt die Wandzeichnungen #314, #318 und #726. Eine
Skulptur aus dem Jahr 1989, „Complex Form #46“, vervollständigt die Berliner Präsentation.
Ulrich Loock, August 2015
