Die Konrad Fischer Galerie Berlin freut sich, die Eröffnung der dritten Einzelausstellung mit neuen
Arbeiten von Magnus Plessen (*1967) am 2. Mai 2014 in unseren Berliner Räumen ankündigen zu
dürfen.
Den neuen Arbeiten Magnus Plessens liegt eine längere Auseinandersetzung mit der 1922 von Ernst
Friedrich erstmals veröffentlichten Publikation ‚Krieg dem Kriege’ zu Grunde. Die Frage, ob und auf
welche Weise sich die Malerei den dort abgebildeten, massiv entstellten Portraitköpfen von
kriegsversehrten Soldaten des 1. Weltkrieges überhaupt annähern kann, verschränkt sich in den
neuen Bildern mit grundsätzlichen Überlegungen zu den Möglichkeiten der malerischen
Repräsentation von Realität. Es handelt sich bei den Aufnahmen also nicht um bildliche Vorlagen, die
der Künstler in die Malerei zu übersetzen sucht, sondern um bildliche Zeugnisse, in denen sich
Fragestellungen und Problemfelder zuspitzen, die Plessen in anderer Weise bereits seit langem
beschäftigen.
Den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft Rechnung tragend hat Plessen bereits seit
einigen Jahren traditionelle Repräsentationsmodelle der Malerei aufgegeben und Bildformen
entwickelt, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changieren, einen idealen Blickpunkt des
Betrachters verweigern und die Repräsentation von Realität als Möglichkeitsform erproben, indem das
simultane Sein und Werden von disparaten Elementen auf der Bühne des Bildes inszeniert wird.
Diesem Ansatz entspricht eine Malweise, die eine fixe Orientierung im Bildraum unmöglich macht, da
der Künstler seine Leinwände während des Arbeitsprozesses mehrfach dreht und aus
unterschiedlichen Richtungen bearbeitet.
All dies kennzeichnet die neuen Arbeiten noch immer, wobei die eingangs erwähnte
Auseinandersetzung mit den Abbildungen der Kriegsversehrten zu einer fühlbar veränderten
Atmosphäre der Malerei führt. Bei aller Farbigkeit ist Plessens aktuellem Bilderzyklus etwas Düsteres
zu eigen. Denn wie lässt sich etwas in der Malerei zeigen, das physisch nicht mehr vorhanden ist, sich
jeder visuellen Fassbarkeit entzieht und gleich-zeitig unfassbare Folgen für die Selbstwahrnehmung
und Identität der Betroffenen bedingt. Der existenzielle Verlust und das Nicht-mehr-sein findet sich auf
den Leinwänden zumeist in Zonen dunkelschwarzer Farbigkeit angedeutet, in denen die
fragmentierten Köpfe einsinken und gleichsam in einen Raum entgleiten, vom dem wir nur vermuten
können, das er sie nicht mehr herausgibt.
