Spektakuläre Brillanz
Düsseldorf · Die Fotografin Candida Höfer widmet sich in der Galerie Konrad Fischer den Opernhäusern von Capri bis Düsseldorf und stellt deren geniale Architektur in den Vordergrund.
Candida Höfer schult ihren absoluten Blick für die Perfektion und Klarheit von Räumen gern an Prachtbauten von Opern, Schauspielhäusern oder Schlössern. Je besser die Architektur, desto aufregender ihre Bilder, in denen nichts verändert, nichts getrickst, gesampelt oder farblich verfremdet ist. Das wird aktuell in einer Serie von Theater-Innenräumen deutlich, die sie in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf zeigt.
„Opera! Opera!" nennt sie die Schau historischer Zuschauerräume in Opernhäusern, wie sie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden sind und über den Klassizismus bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurden. Sinnbild dafür sind die Logenränge, die breiten Bühnenöffnungen und die Zentralperspektive, die ihren farbigen Aufnahmen in Größen von 3,9 bis 4,7 Quadratmetern eine spektakuläre Brillanz geben. Das perfekt erhaltene Teatro Comunale (1891) von Capri gehört dazu, mit einem hufeisenförmigen Zuschauerraum, der sich mit drei Logenrängen und einer Galerie bis zur verzierten Decke mit Göttinnen für Musik, Poesie, Prosa und Tanz erstreckt.
Die Geschichte des Theaters ist älter als die der Fotografie, Höfers Kamerakunst profitiert genüsslich von den genialen Architekten und Bauherren der Vergangenheit, die sie bewundert. Wie ein Phönix aus der Asche wurde das durch Brandstiftung zerstörte Teatro La Fenice in Venedig von Aldo Rossi weitgehend original nach einem Entwurf von 1790 rekonstruiert, 2003 bis 2005 wiedereröffnet und 2011 von Candida Höfer als Inkjet Print veröffentlicht.
Das Schauspielhaus Linz ging aus einem alten Logentheater hervor und ist heute ein modernes Rangtheater, das 1958 mit Richard Strauss' „Arabella" und einem Deckenfresko zu „Orpheus und die Tiere" von Fritz Köhler wiedereröffnet wurde. Seit 2013 ist es ausschließlich dem Schauspiel gewidmet und zurückgebaut auf die von Clemens Holzmeister entworfene 50er-Jahre Ästhetik. 2014 hat es Candida Höfer gesichtet.
Die Geschichte der Häuser wäre eine eigene Ausstellung wert, die vom Theatermuseum geleistet werden müsste, hatte doch das ursprünglich königliche Opernhaus Neapels, das Teatro Mercadante, einst so namhafte Künstlerinnen wie Eleonora Duse oder Sarah Bernhardt. 2009 machte Höfer ihre Aufnahme, seit 2015 ist es Nationaltheater.
Die Ausstellung bei Konrad Fischer ist eine Blütenlese der Theaterbauten. Jeder Erbauer neuer Spielstätten sollte sich diese Schau ansehen. Dazu gehört das Teatro Olimpico in Vicenza nach den Plänen Palladios und der Bühne von Scamozzi, die zu den ersten gehörten, die den Spielraum veränderten und die Akteure nicht mehr vor der Bühne, sondern auf der Bühne auftreten ließen und damit die gesamte Bühnenausstattung und deren Technik veränderten. Dieses Theater ist eines der frühesten Beispiele eines öffentlichen Theaters im italienischen Stil. Das Bolschoi-Theater im russischen Klassizismus wird von Fachleuten als einer der schönsten Theaterbauten der Welt gepriesen. In diese Reihe gehört die Komische Oper Berlin vom Ende des 19. Jahrhunderts, die nach der Teilzerstörung im letzten Weltkrieg wiederaufgebaut und teilweise rekonstruiert wurde und heute als herausragendes Denkmal der Ostberliner Nachkriegsmoderne gilt.
– Helga Meister
