Robert Mangold lebt und arbeitet in Washingtonville, New York.
Robert Mangold (geb. 1937) zählt zu den einflussreichsten Positionen der Nachkriegsabstraktion und ist bekannt für seine konsequente und über Jahrzehnte hinweg verfolgte Untersuchung der Sprache der Malerei. Seit den späten 1950er-Jahren erforscht er Linie, Farbe und Form auf unterschiedlichen Bildträgern und entwickelt innerhalb eines konstanten geometrischen Vokabulars ein Werk aus Gemälden und Arbeiten auf Papier, das zugleich formal konzentriert und konzeptuell weit gespannt ist. Obwohl sein Werk häufig mit dem Minimalismus in Verbindung gebracht wird, entzieht es sich einer eindeutigen Kategorisierung: Kurvilineare Formen, subtile Asymmetrien und fein modulierte Farbflächen verweisen auf Dialoge mit klassischer Architektur, antiker Keramik und der Freskomalerei der Renaissance und positionieren Mangolds Praxis jenseits eines rein reduktiven Ansatzes.
Im Zentrum von Mangolds künstlerischem Projekt steht eine Neubestimmung des Gemäldes als Objekt und nicht als Bild – eine Haltung, die Robert Storr als Entwicklung von „object matter“ anstelle traditioneller „subject matter“ beschrieben hat. Seine Kompositionen untersuchen das Verhältnis von Teil und Ganzem und erproben, wie ein geformtes Segment auf eine größere Struktur verweisen kann, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren, oder wie visuelle Stabilität mit struktureller Unregelmäßigkeit koexistiert. Diese Fragestellungen traten erstmals in den geformten Leinwänden und mehrteiligen Konstruktionen der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre hervor, in denen Mangold Bögen, Ellipsen und fragmentierte Geometrien einführte und damit die Konventionen des rechteckigen Bildfeldes infrage stellte.
Parallel dazu entwickelte sich Mangolds materialbezogener Ansatz in enger Wechselwirkung mit seinen formalen Untersuchungen. Frühe Arbeiten entstanden auf Sperrholz und Masonit, später wechselte er zur aufgespannten Leinwand. Auch seine Malweise veränderte sich: von industriell anmutenden, mit der Spritzpistole aufgetragenen Ölfarben – häufig mit Bezügen zu urbanen Farbräumen wie Aktenschränken, Ziegelwänden oder Maschinen – hin zu zunehmend transparenten Acrylfarben, die mit Rolle und Pinsel appliziert werden. Durchgängig prägend bleibt sein Interesse an der Beziehung von Farbe und Linie: Charakteristisch monochrome Flächen werden durch handgezogene Graphitlinien belebt, die das Bildfeld durchqueren, teilen oder umschreiben und innerhalb eines kontrollierten visuellen Systems eine deutlich menschliche Präsenz behaupten.
Mangolds Zusammenarbeit mit der Konrad Fischer Galerie begann 1974 und spielte eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung seines Werks an ein europäisches Publikum. Die Galerie bot über Jahrzehnte hinweg eine zentrale Plattform für die Entwicklung seiner Praxis und verortete seine Untersuchungen zu Wahrnehmung, Geometrie und malerischer Struktur innerhalb eines internationalen Diskurses zur zeitgenössischen Abstraktion.
Seit seiner ersten Einzelausstellung 1964 hat Mangold weltweit in bedeutenden Institutionen ausgestellt. Zu den frühen Überblicksausstellungen zählen Präsentationen im Solomon R. Guggenheim Museum, New York (1971), in der Kunsthalle Basel (1977) sowie im Stedelijk Museum, Amsterdam. Seine Arbeiten waren dreimal sowohl auf der documenta in Kassel (1972, 1977, 1982) als auch in der Whitney Biennial, New York (1979, 1983, 1985), sowie auf der Biennale von Venedig (1993) vertreten. Die kunsthistorische Aufarbeitung seines Œuvres umfasst ein zweibändiges Werkverzeichnis (1982; 1998–99), ein umfassendes Druckgrafik-Raisonné bei Parasol Press (2000) sowie eine grundlegende Monografie, erschienen bei Phaidon (2000).
