Yuji Takeoka Japan, 1946

Yuji Takeoka (geb. 1946, Kyōto) ist ein japanischer Bildhauer, dessen Werk eine eigenständige Position an der Schnittstelle japanischer Ästhetik und westlichen Minimalismus einnimmt. Seit den 1970er-Jahren in Düsseldorf ansässig, entwickelte Takeoka eine Praxis, die durch formale Präzision, materielle Klarheit und eine kontinuierliche Reflexion der Bedingungen skulpturaler Präsentation gekennzeichnet ist. 

Takeoka studierte Bildhauerei an der Kyoto City University of Arts, bevor er 1973 nach Deutschland übersiedelte. Seine Ausbildung setzte er an der Kunstakademie Düsseldorf fort, wo er 1979 nach Studien bei Erwin Heerich und Klaus Rinke abschloss. Diese doppelte künstlerische Prägung – verwurzelt sowohl in japanischen als auch in europäischen Traditionen – bildet bis heute eine zentrale Grundlage seines Werks und schlägt sich in einer Haltung nieder, die reduzierte Form mit höchster handwerklicher Sorgfalt verbindet. 

Seit den 1980er-Jahren verfolgt Takeoka eine konzentrierte skulpturale Sprache, die expressive Gestik vermeidet und stattdessen auf präzise abgestimmte Oberflächen und Strukturen setzt. Er arbeitet mit Materialien wie Bronze, Messing, Keramik, Glas, Lack und Corian und lässt die jeweiligen  materialimmanenten Eigenschaften maßgeblich über die endgültige Form entscheiden. Sockel, Vitrinen und Rahmen – traditionell als sekundäre Elemente der Skulptur verstanden – bilden wiederkehrende Motive seines Œuvres. Von ihrer funktionalen Rolle gelöst, werden sie zu autonomen Objekten und lenken den Blick auf jene Systeme, durch die Kunst präsentiert, wahrgenommen und bewertet wird. 

Takeokas Werk lässt sich als kontinuierliche Untersuchung von Reduktion, Serialität und Präsenz verstehen. Obwohl seine Arbeiten häufig mit minimalistischen Strategien in Verbindung gebracht werden, sind sie ebenso von Konzepten der Zurückhaltung, Konzentration und Balance geprägt, die tief in japanischen kulturellen Traditionen verankert sind. 

Seine erste Einzelausstellung bei der Konrad Fischer Galerie fand 1986 statt und markierte den Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. Die erste Einzelausstellung in Japan realisierte Takeoka 1992 bei Wako Works of Art in Tokio; im selben Jahr nahm er an der documenta IX teil. 

Takeokas Arbeiten wurden in zahlreichen bedeutenden institutionellen Ausstellungen präsentiert, darunter in der Kunsthalle Düsseldorf (2021), im Museum Morsbroich (2015) sowie in parallelen Ausstellungen 2001 im National Museum of Modern Art, Kyōto, im Museo Reina Sofía, Madrid, und im National Museum of Contemporary Art, Seoul. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit, darunter im National Museum of Art, Osaka, im S.M.A.K., Gent, im Sprengel Museum, Hannover, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, in der Daimler Art Collection, der Deutsche Bank Collection sowie im Museum DKM. Von 1995 bis 2013 war Takeoka Professor an der Hochschule für Künste Bremen.


Yuji Takeoka lebt und arbeitet in Düsseldorf.