Ich versuche, eine Sache aus fünf verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten
— Thomas Schütte
Thomas Schütte (geb. 1954, Oldenburg) ist ein deutscher Künstler, dessen Werk Skulptur, Zeichnung, Druckgrafik, Architektur, Installation und Aquarell umfasst. Seit dem späten 1970er-Jahren setzt sich seine Praxis mit Fragen der Repräsentation, des öffentlichen Raums, des kulturellen Gedächtnisses sowie mit der Rolle der Figuration nach Minimal und Conceptual Art auseinander. Schütte nimmt innerhalb der Gegenwartskunst eine eigenständige Position ein, in der ein experimenteller Umgang mit Material und Maßstab auf ein anhaltendes Interesse an historischen Skulpturtraditionen und architektonischen Modellen trifft.
Ausgebildet an der Kunstakademie Düsseldorf in einer von minimalistischen und konzeptuellen Positionen geprägten Zeit, entwickelte Schütte früh eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Strömungen und führte zugleich erzählerische, figurative und bildhafte Elemente in seine Arbeit zurück. Architektonische Entwürfe und Modelle bilden einen wiederkehrenden Werkkomplex; sie fungieren sowohl als spekulative Vorschläge für bewohnbare Strukturen als auch als Reflexionen gesellschaftlicher und politischer Wirklichkeiten. Parallel dazu entstand ein umfangreiches Œuvre figurativer Skulpturen – von kleinformatigen Studien bis hin zu monumentalen Arbeiten –, das die Fragilität des menschlichen Körpers, die Instabilität des Denkmals sowie das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Archetyp thematisiert.
Zentral für Schüttes Arbeit ist das Experimentieren mit Materialien. Er arbeitet mit Modelliermasse, Keramik, Bronze, Glas, Holz, Textilien und Aquarell und wechselt dabei bewusst zwischen provisorischen und dauerhaften Werkstoffen. In Verbindung mit variierenden Maßstäben und Präsentationsformen ermöglichen diese Materialentscheidungen Arbeiten, die Humor, Ironie und Ambivalenz entfalten, ohne sich auf eindeutige Bedeutungen oder didaktische Aussagen festzulegen.
Schüttes Werk wurde weltweit in zahlreichen bedeutenden institutionellen Ausstellungen präsentiert. Zu den jüngeren Einzelausstellungen zählen Präsentationen im Museum of Modern Art, New York (2024–2025), im De Pont Museum (2023), im Georg Kolbe Museum (2021–2022), im Kunsthaus Bregenz (2019), im Moderna Museet (2016), in der Fondation Beyeler (2013) sowie im Dia Center for the Arts (1999). Für 2026 ist eine groß angelegte Einzelausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen angekündigt.
Darüber hinaus war Schütte in wichtigen Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem in der Hamburger Kunsthalle (2022), im Carnegie Museum of Art (2018), im Museum Ludwig (2011), im New Museum (2011), im MACBA (2010), im Stedelijk Museum (2007) sowie auf der documenta X (1997).
Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen internationalen öffentlichen Sammlungen, darunter im Centre Pompidou, bei Tate, in der National Gallery of Art sowie im Museum of Modern Art, New York. Thomas Schütte arbeitet seit 1981 mit der Konrad Fischer Galerie zusammen.
Thomas Schütte lebt und arbeitet in Düsseldorf.
