Nach den großen Solo-Ausstellungen von Thomas Schütte im Museum of Modern Art in New York im vergangenen Jahr und in der Pinault Collection in der Punta della Dogana in Venedig im Frühjahr 2025, freut sich die Konrad Fischer Galerie, neue Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers nun auch in Berlin zu zeigen.
Im Hof der Galerie werden die Besucher*innen gleich von zwei großen Skulpturen aus Bronze empfangen: einer beinahe vier Meter hohen, monumentalen „Mutter Erde“ (2024), deren Augen in der Nacht auf das Galeriegebäude strahlen, und einem ungewöhnlichen Tierwesen, dem „Betenden Hund“ (2022), dessen Hände streng zum Gebet gefesselt sind und aus dessen Handinnerem nachts ebenfalls ein Licht erscheint. Während die „Mutter Erde“ sich, aufrechtstehend, in einen voluminösen Mantel förmlich eingeschnürt findet, wie wir es von Schüttes „Vater Staat“ und den „United Enemies“ bereits kennen, scheint der Hunde-Torso in seiner eigenwilligen Haltung sich direkt auf die Keramik-„Hunde“ von 2015 zu beziehen.
Im Erdgeschoss treffen die Besucher*innen auf nicht weniger außergewöhnliche Wesen, zwei „Wichtel“, gefertigt aus Keramik, von denen der eine unter der Masse des Materials kollabiert zu sein scheint. Überblickt wird die Szenerie von einem Keramik-Oval eines „Weinenden Helden“. Dazu zeigen wir im Büro eine zehnteilige Grafikedition, die das Thema der „Hunde“ wiederaufnimmt.
Im ersten Obergeschoß wird die kleinere Bronze-Version der „Mutter Erde“ von einem männlichen Gegenpart in Keramik begleitet, dem „König“ (2025). Dazu präsentiert der Künstler neue unregelmäßig auslaufende Keramikovale, die wiederum das Hunde-Motiv aufnehmen, einen weiteren „Weinenden Held“ und „Flowers“ (2025), die Thomas Schütte im Keramik-Studio von Niels Dietrich in Köln gefertigt hat. Auf der Galerie blicken sich zwei weitere Keramiken an, die „Iroquois Doppelköpfe“, eigenwillige Physiognomien, die jeweils zwischen menschlichen und animalischen Zügen changieren, zusammengehalten von der berühmten Haartracht der „Six Nation People“, die später in der Punk-Ära noch einmal Karriere machte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Galerie wird die zehnteilige Aquarell-Serie „KITSCH AS KITSCH CAN“ präsentiert, die, an einem Tag entstanden, Blumen auf tintenschwarzem Grund zeigt.
Das dunkel gehaltene zweite Obergeschoß wird von zwei beachtlichen Kronleuchtern beherrscht, die, aus Stahl gefertigt und mit venezianischen Glastropfen geschmückt, mit ihren Tentakelarmen in den Raum ausgreifen und diesen erleuchten. Ein erster dieser „Oktopus“-Kronleuchter (2025) fand sich bereits in der Punta della Dogana und überblickte aus dem Belvedere die Lagune von Venedig.
Die Galerie im zweiten Obergeschoß beschließt die Ausstellung mit Schüttes neuen, 2024 entstandenen Aquarellen, die mit Titeln wie „NEAR EAST“, „SYRIA“ und „ASSAD“ Bezug nehmen auf das weltpolitische Tagesgeschehen und von Dämonen, Monstern und traurigen Clowns bevölkert werden.
