LINES von Carl Andre, stanley brouwn, Daniel Buren, Alice Channer, Alan Charlton, Paul Czerlitzki, Hanne Darboven, Edith Dekyndt, Aleana Egan, Sol LeWitt, Richard Long, Rita McBride, Maria Nordman, Thomas Ruff, Yuji Takeoka, Merrill Wagner.
Die Konrad Fischer Galerie freut sich, die Gruppenausstellung LINES zu präsentieren, die Werke aus dem Zeitraum von 1960 bis 2020 vereint. Die Verbindung der unterschiedlichen künstlerischen Positionen liegt in der Verwendung der minimalsten Form in Malerei und Skulptur: der Linie. Mathematisch betrachtet ist die Linie eine kohärente, eindimensionale geometrische Struktur ohne Ausdehnung in die Breite – die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, nicht mehr und nicht weniger. In ihrer Einfachheit und Klarheit ist die Linie ein wiederkehrendes Motiv der wegweisenden Konzeptkunst und darüber hinaus, wie sie in dieser Ausstellung vertreten ist.
Richard Long, Carl Andre und Sol LeWitt haben die lineare Form eingehend untersucht und strenge Rahmenbedingungen geschaffen, innerhalb derer sich ihr künstlerischer Prozess in Variationen des Ähnlichen entfaltet. In ähnlicher Weise beschränkten Daniel Buren oder Alan Charlton ihr Œuvre auf spezifische Maßeinheiten. Während die Streifen in Burens Arbeiten stets eine exakte Breite von 8,7 cm aufweisen, formulierte Charlton einst: „I am an artist who makes a grey painting“ – eine Aussage, die bis heute Gültigkeit besitzt. Darüber hinaus basieren die Maße seiner Werke konsequent auf dem Vielfachen von 4,5 cm. stanley brouwn, dessen Werk grundsätzlich nicht abgebildet wird, wählte Distanz, Größe und Zeit zu seinen künstlerischen Medien und dokumentierte seine eigenen Bewegungen in unterschiedlichen Formen.
Rita McBride richtet ihren Blick auf unscheinbare Elemente, häufig architektonische Formen urbaner Landschaften, und interpretiert diese durch Maßstabs- und Materialveränderungen als minimalistische Skulpturen neu. In ihren „Glass Conduits“ transformiert sie technische Rohrsysteme und Kabelkanäle aus Kunststoff, Stahl oder Kupfer in makelloses Muranoglas. Maria Nordman überträgt in ihrer Arbeit „De Ondas“ (From the Waves) die wellenförmigen Linien des Wassers in ein modulares Holzsystem und entwickelt daraus die Darstellung eines dekonstruierten Floßes.
Merrill Wagner schafft ihre Strukturen mit Abklebeband. Bereits 1970 begann sie, nach konstruktivistisch-minimalistischen Malereien der 1960er Jahre mit Klebeband zu experimentieren. Sie kombinierte dieses mit Öl- und Acrylfarben ebenso wie mit Graphit und Kohle auf Plexiglas, wobei sie noch feuchte Farbspuren von Holzfaserplatten auf Plexiglas übertrug.
Die Serie „zycles“ von Thomas Ruff weist eine komplexe Entstehungsgeschichte auf, deren Ursprünge in wissenschaftlichen Kupferstichen magnetischer Felder des 19. Jahrhunderts liegen. Diese ornamentalen Kurven aus der Mathematik überführt der Künstler mithilfe von Computerprogrammen digital in einen dreidimensionalen Raum.
Das Werk von Yuji Takeoka kreist wesentlich um den Sockel als Fundament der Präsentation anderer Arbeiten. Takeoka interpretiert den Sockel immer wieder neu und würdigt dessen minimalistische Schönheit und formale Einfachheit als eigenständiges Objekt von Interesse.
Edith Dekyndt arbeitet häufig mit ephemeren Materialien wie Stoffen, Erde, Flüssigkeiten oder Salzen. Auf diese Weise legt sie verborgene Kräfte natürlicher Transformation frei und versucht, die Veränderlichkeit lebendiger Materialien festzuhalten. Für ihre Serie „Ogum“ spannt sie Handtücher oder Tischdecken über einen massiven Holzrahmen und entfernt mit einer Pinzette sämtliche horizontalen Schussfäden – ein Prozess, der mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Zurück bleiben äußerst feine und fragile Netzwerke aus Linien.
Alice Channers Arbeiten verkörpern eine neue, von digitalisierten Strukturen imitierte Natur. Sie beschreiben einen Zustand, in dem organische und mechanische Relikte zu einem gemeinsamen System verschmelzen. Zwei Abgüsse von Steigbügel-Gamaschen aus transluzentem Kunstharz und Aluminium sind entlang der Wand drapiert. Während die Titel an wissenschaftliche Beschreibungen erinnern, weist ihre üppige Transparenz eine beinahe süßwarenartige Anmutung auf. In der Arbeit „Gills“ verwischt Channer die Grenzen zwischen Kleidung und Skulptur, indem sie bedrucktes Spandex um Aluminiumstangen legt.
Paul Czerlitzkis konzeptueller Ansatz zur Bildfindung versetzt ihn häufig in die Rolle des passiven Beobachters seiner eigenen Arbeiten. Durch den Einsatz unterschiedlicher Techniken überlässt er dem malerischen Prozess ein hohes Maß an Selbstbestimmung. In seinen jüngsten Arbeiten „Bye By“ verwendet er industriell grundierte Leinwände aus dem lokalen Künstlerbedarf. In Kunststofffolie verpackt, weisen diese Schutzverpackungen oftmals Risse und Brüche auf. Durch diese Öffnungen trägt Czerlitzki Sprühfarbe auf und macht die vorhandenen Spuren sichtbar.
