Ich wurde mir meiner Stimme sehr bewusst und davon, wie sehr sie beinahe eine skulpturale Erfahrung ist – zu atmen und Klang in einen Raum zu projizieren
— Susan Philipsz
Susan Philipsz ist eine mit dem Turner Prize ausgezeichnete Künstlerin, deren Werk das psychologische, räumliche und skulpturale Potenzial von Klang untersucht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sie ein einflussreiches Œuvre entwickelt, in dem Stimme, Architektur und akustischer Raum in ein präzises Wechselverhältnis treten. Durch die Auseinandersetzung mit den spezifischen klanglichen und historischen Eigenschaften von Orten verwandeln ihre Arbeiten Räume in Träger von Erinnerung und Affekt.
Philipsz arbeitet häufig mit unbegleiteter Stimme – nicht selten ihrer eigenen – und greift dabei auf musikalische Fragmente zurück, die von Balladen des 16. Jahrhunderts und irischen Volksliedern bis hin zu populärer Musik wie David Bowies Ziggy Stardust reichen. Diese Auswahl ist nie zufällig, sondern stets auf den jeweiligen Kontext der Installation sowie auf die sozialen und architektonischen Geschichten des Ortes abgestimmt. So unterschiedlich die einzelnen Arbeiten auch sind, die von ihr aktivierten Erzählungen besitzen eine breite kulturelle Verankerung und thematisieren Verlust, Sehnsucht, Hoffnung und Rückkehr. Ihre Installationen ermöglichen individuelle, persönliche Resonanzen und schlagen zugleich temporäre Brücken zwischen dem Privaten und dem Kollektiven sowie zwischen innerer und äußerer Erfahrung.
Susan Philipsz wurde 1965 in Glasgow geboren. Sie erwarb 1993 einen BFA am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee sowie 1994 einen MFA an der University of Ulster in Belfast. Im Jahr 2000 war sie PS1 MoMA Studio Fellow in New York. 2010 wurde ihr der Turner Prize verliehen; 2014 erhielt sie die Auszeichnung OBE für Verdienste um die britische Kunst.
Seit Mitte der 1990er-Jahre wird Philipsz’ Werk international in bedeutenden Museen und im öffentlichen Raum präsentiert. Zu den jüngeren und wichtigen Einzelausstellungen zählen Präsentationen im ARoS Aarhus Art Museum und im Kunstmuseum Brandts, Odense (2023); im Kunstmuseum Bonn (2021); im Castello di Rivoli, Turin (2019); in der Tate Modern (2018) und der Tate Britain (2015), London; in der Bonniers Konsthall, Stockholm (2017); im Kunsthaus Bregenz (2016); sowie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2014). Darüber hinaus war ihre Arbeit unter anderem bei den Skulptur Projekten Münster (2007), der Carnegie International (2008) und der National Gallery of Victoria Triennial (2020) vertreten. Weltweit realisiert sie kontinuierlich bedeutende öffentliche und institutionelle Aufträge.
Werke von Susan Philipsz befinden sich in zahlreichen renommierten Sammlungen, darunter das Baltimore Museum of Art; die Fondation Beyeler, Basel; die Hamburger Kunsthalle; das Carnegie Museum of Art, Pittsburgh; das Castello di Rivoli, Turin; das Solomon R. Guggenheim Museum, New York; das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.; das Museo Reina Sofía, Madrid; das Museum of Contemporary Art, Chicago; das Museum Ludwig, Köln; das San Francisco Museum of Modern Art; Tate, London; das Walker Art Center, Minneapolis; sowie das Brooklyn Museum, New York.
Susan Philipsz lebt und arbeitet in Berlin.
