Rita McBride USA, 1960

Rita McBride (geb. 1960, Des Moines, Iowa) ist international anerkannt für eine multidisziplinäre Praxis, die sich mit der Produktion öffentlicher Räume sowie mit den kulturellen, sozialen und materiellen Bedingungen der gebauten Umwelt auseinandersetzt. In ihrem vorwiegend skulpturalen Werk greift McBride auf architektonische und infrastrukturelle Formen des Alltags zurück – Lüftungssysteme, Sitzmöbel, Türme, Fassaden, Beschilderungen und andere funktionale Konstruktionen – und überführt sie in neue Materialien, Maßstäbe und Konfigurationen. Durch die Verschiebung von Dimension, Kontext und Oberflächenbeschaffenheit hinterfragt sie gängige Annahmen über Funktionalität, Autorschaft, industrielle Standardisierung sowie die Fortschrittsmythen des modernistischen Designs. 

McBrides Arbeiten sind in einem kritischen Dialog zwischen industrieller Fertigung und handwerklicher Praxis verankert. Sie entwickelt formale Systeme, die Effizienz und Modularität suggerieren, zugleich jedoch innere Widersprüche, Fragilitäten oder absurde Momente freilegen. Diese Spannung setzt sich in ihrer intensiven Auseinandersetzung mit Galerie- und Museumsräumen als architektonischen Strukturen fort. Viele ihrer Skulpturen intervenieren direkt in die Logik des „White Cube“, unterlaufen dessen vermeintliche Neutralität und machen die institutionellen Bedingungen von Wahrnehmung, Bewegung und Präsentation sichtbar. Ob im Innenraum oder im öffentlichen Stadtraum verortet, fungieren ihre Arbeiten als offene Netzwerke: Objekte, Strukturen und Umgebungen, die Fragen nach Kollektivität, Erinnerung und öffentlicher Handlungsmacht aufwerfen. 

Seit den 1990er-Jahren realisiert McBride zudem kollaborative, performative und partizipative Projekte, darunter groß angelegte Kunst-am-Bau-Aufträge, Künstlerbücher sowie das langfristig angelegte, multidisziplinäre Projekt Babel, das einen wechselnden Kreis internationaler Autor:innen, Musiker:innen, Wissenschaftler:innen und Denker:innen einbindet. Medienübergreifend zeigt sich in ihrer Praxis ein kontinuierliches Interesse daran, wie Objekte sozialen Raum strukturieren – und wie dieser Raum wiederum Wahrnehmung formt. 

McBrides Werk wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Projekten präsentiert, darunter größere Einzelausstellungen im Museo Tamayo, Mexiko-Stadt (2013); im Museum of Contemporary Art San Diego (2014–15); in der Kestner Gesellschaft, Hannover (2015–16); in der Kunsthalle Düsseldorf (2015–16); sowie im Museu d’Art Contemporani de Barcelona. Zu ihren öffentlichen Aufträgen zählen Mae West (2011), eine monumentale Kohlefaser-Skulptur in München, sowie Obelisk für den New York Public Art Fund (2023), installiert auf der Doris C. Freedman Plaza im Central Park. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen institutionellen Sammlungen, darunter das Art Institute of Chicago; Museum Ludwig, Köln; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Hammer Museum, Los Angeles; Dia Art Foundation, New York; sowie FRAC Île-de-France, Paris. 

Rita McBride lebt und arbeitet in Düsseldorf und Rom.