Die von Gregory Lang in der Fondation CAB kuratierte Ausstellung „Abstract Constructions“ etabliert einen beispiellosen formalen und konzeptuellen Dialog zwischen den Gemälden von Nassos Daphnis – geprägt von weitläufigen Primärfarbflächen, die den Zeitraum von den späten 1950er bis in die 1990er Jahre umspannen – und den Skulpturen, Installationen sowie Architekturmodellen von Rita McBride, die in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden sind.
Rita McBrides Installationen, Architekturmodelle und skulpturalen Elemente fungieren innerhalb des Ausstellungsraums als strukturelle Gerüste. Leitungsrohre aus Muranoglas, Marmorformen aus Carrara, gegossene Oberlichter, Schablonen aus Schichtholz und treppenartige Konstruktionen übersetzen die Linie in ein dreidimensionales Erlebnis. Diese Arbeiten lenken die Bewegung und choreografieren die Wahrnehmung, indem sie die Abstraktion von der Bildebene in den gelebten Raum verlagern. Im Spannungsfeld zwischen industrieller Präzision und minimalistischer Klarheit hinterfragt McBride die Grenzen zwischen Kunst, Konstruktion und Design.
Ausgewählte Gemälde von Nassos Daphnis bilden dazu einen historischen Kontrapunkt. Seine Hard-Edge-Kompositionen – definiert durch Farbflächen und exakte lineare Unterteilungen – etablieren eine zweidimensionale Logik von Struktur und Oberfläche. Im Gegensatz dazu erweitert McBride diese Geometrie in den architektonischen Raum und verwandelt die optische Abstraktion in eine räumliche und körperliche Begegnung.
Durch die erstmalige Zusammenführung zweier scheinbar weit voneinander entfernter künstlerischer Praktiken offenbart „Abstract Constructions. Nassos Daphnis – Rita McBride“ unerwartete Dialoge zwischen Form und Konzept und eröffnet einen gemeinsamen Raum, der zwischen Funktionalität und Poesie, Autorität und Freiheit oszilliert.
